Neues macht Altes präsenter
Sensible Transformation einer Altbaubauwohnung mit Kunstsammlung
Eine Altbauwohnung in Charlottenburg – das Domizil von Kunstenthusiasten – präsentiert sich nach sensiblem Ausbau als spannungsvoller Dialog zwischen historischer Substanz und modernem Interior. Dabei bleibt der Bestand spürbar: Proportionen, Türen und Oberflächen gewannen an Ruhe, während neue Funktionen als eigenständige Volumen – wie ein Raum-im-Raum – mit Abstand zur historischen Hülle auftreten. Es entstand keine neue Haut, sondern eine präzise zweite Ebene, die den Bestand respektiert und ihn dadurch sichtbar macht.
Im Zentrum steht ein Raum, der Kochen, Essen und Wohnen vereint. Eine großzügige Kochinsel mit himbeerroter Oberfläche setzt einen kräftigen Akzent – nicht als Möbel, sondern als Objekt. Ihre glatte, glänzende Oberfläche nimmt Tageslicht auf und reflektiert zugleich Raumstrukturen. Sie bündelt Alltag und Begegnung, hält den Raum zusammen und bietet der Kunst an den Wänden den passenden Rahmen. Skulptural und aus jeder Perspektive präsent ist sie Arbeitsfläche, Bar und Treffpunkt zugleich: ein Anker, der den Alltag zusammenzieht und den Raum in Spannung hält. Vor der imposanten Fensterfront platziert, nimmt eine übergroße Sitzbank den leuchtenden Rotton auf. Die kräftigen Farbakzente setzen Kontrapunkte zur zurückhaltenden Farbpalette der grifflosen, hellgrauen Küchenarchitektur, die eine ruhige, vertikale Fläche bildet. Jeder Einbau erhielt eine eigene Farbe – als Charakter, nicht als Wegweisung. Die neuen Volumen stehen als eigenständige Objekte im historischen Rahmen. Spiegelnde Flächen vergrößern Räume, verschieben Perspektiven und bringen Licht ins Spiel, ohne den Bestand zu überdecken. Die Details bleiben ruhig: bündige Einbauten, klare Kanten und zurückhaltende Beschläge. So entsteht ein Interieur, das Raum lässt – für Material, Proportion und Kunst. Ausbau als Möbel, nicht als Verkleidung. Nebenräume und Installationen bilden eigenständige Raum-im-Raum-Körper, abgehoben von der Altbauhülle. Kräftige Farben geben jedem Einbau eine eigene Identität. Spiegelungen lösen Volumen von der Wand und schaffen mehrdeutige Raumbezüge. Eine Altbauwohnung, eine Kunstsammlung, eine klare Setzung: Der Bestand wurde sensibel freigelegt, die neue Infrastruktur tritt als eigenständige Schicht hinzu. Garderobe, Nebenräume und Technik sind in kompakte Einbauten gefasst, stehen auf Abstand zu Wänden und Decken. Das Neue berührt den Altbau kaum – und macht ihn dadurch präsenter.
Fotos:
Justus Krause
Britta Daum
(Erschienen in CUBE Berlin 01|26)