Leben auf der Halbinsel

Neubau in nachhaltiger Bauweise denkt Gemeinschaft neu

Auf einer Halbinsel lebt es sich anders. Das Wasser ist allgegenwärtig, die Wege sind kürzer, die Nachbarschaft enger. Auch wenn die Großstadt nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt, entsteht hier eine eigene Atmosphäre der Vertrautheit und Zugehörigkeit. Dieses Miteinander war für Zoom Architekten Ausgangspunkt für ein Wohnprojekt, das über die reine Bereitstellung von Wohnraum hinausgeht. Der Neubau auf der Stralauer Halbinsel steht exemplarisch für die Frage, wie nachhaltiges Bauen und zukunftsweisende gemeinschaftliche Wohnkonzepte zusammenfinden. Vom kommunalen Wohnungsunternehmen Howoge beauftragt, zeigt das Projekt, dass sozialer Anspruch und architektonische Qualität keine Gegensätze sind. Mit bezahlbaren Mieten, robusten Materialien und präziser räumlicher Ordnung entsteht ein Stück Stadt, das langfristig Bestand hat. Nachhaltigkeit prägt dabei jede Entwurfsebene. Nachwachsende Rohstoffe, vor allem Holz, sind wichtige strukturelle Elemente des Gebäudes. Das Schwammstadtkonzept hält Regenwasser zurück und ermöglicht die Versickerung vor Ort – ein Beitrag zur Klimaresilienz urbaner Räume. Der langgestreckte Baukörper orientiert sich an der linearen Struktur der Umgebung und fügt sich selbstverständlich in die Nachbarschaft ein. Zur Parkseite öffnet sich ein Laubengang, der alle Wohnungen erschließt. Er ist Begegnungsraum, Kommunikationsort und gemeinsames Wohnzimmer im Freien. Das filigrane Edelstahlnetz, das als Absturzsicherung dient, wird künftig von Rankpflanzen begrünt. Zwei vorgelagerte Treppen rhythmisieren den Baukörper und unterstreichen seinen skulpturalen Charakter. Im Inneren setzt sich das Prinzip der klaren Struktur fort. Wohnküchen orientieren sich zur lebendigen Parkseite, Schlafräume zur ruhigeren Anliegerstraße. Loggien bieten private Außenräume und eine ausgewogene Balance zwischen Offenheit und Intimität. Die Holzfassade macht die Grundrissordnung der seriell entwickelten Wohnungstypen sichtbar und zeigt die Flexibilität des Systems für unterschiedliche Lebensmodelle: Familien, Singles oder ältere Menschen finden hier gleichermaßen passende Räume. Für Zoom Architekten ist das Projekt ein Experimentierfeld für die Zukunft des kommunalen Bauens, das beweist: Gute Architektur kann zugleich sozial, ökologisch und ästhetisch sein – und dabei die Gemeinschaft als das begreifen, was sie ist: das Fundament jeder lebenswerten Stadt.

www.zoomarchitekten.de

Fotos:
Adrian Schulz
www.adrianschulz.de

(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)

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