Patchwork-Charme

Der Umbau eines Stadthauses mit Gewerbehof holt die historische Substanz hervor und ergänzt sie

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Auch Altbauten harren manchmal länger ihrer Vollendung. In diesem Fall sogar mehr als ein Jahrhundert: Seit seiner Entstehungszeit fehlten dem gründerzeitlichen Stadthaus in der Wissmannstraße zwei Obergeschosse, wie der benachbarte Zwillingsbau und die Bauakte aufzeigten. Im Vordergrund der Nutzung standen die Raumbedürfnisse eines Speditionsunternehmens, das die Tordurchfahrt nutzte, um mit seinen Fuhrwerken in den dahinterliegenden Gewerbehof mit Lager, Ställen und Verwaltung zu gelangen. Nach vielen Jahrzehnten der Nutzung des Hofes durch einen Malerbetrieb machte ein Eigentümerwechsel den umfangreichen Sanierungsstau offenkundig. Das beauftragte Düsseldorfer Büro Hecker Architekten stand vor der großen Aufgabe, die Sanierung durch die Aktivierung von Ausbaureserven und durch eine architektonische Aufwertung tragfähig zu machen.

Vom Haupthaus wurde das obere Dachhalbgeschoss abgetragen und um drei zusätzliche Etagen aufgestockt. Die historische Fassade wurde detailliert restauriert, wobei es gelang, die Dreigeschossigkeit geschickt durch tiefgezogene Brüstungen und ein rekonstruiertes Zahnfriesgesims in Traufhöhe des Nachbarn zu überspielen. Das Dachgeschoss ist straßenseitig tatsächlich nicht wahrnehmbar. Die nur wenig Reserven aufweisenden Fundamente machten dabei eine konstruktive Lösung mit Hohlkammer-Spannbetondecken notwendig, die Gewicht spart, aber auch die Bauzeit und damit auch die Belastung für die während der Bauzeit weiterhin vermieteten unteren Wohnetagen reduziert. Für die erweiterte Erschließung wurde ein Plattformlift in das Bestandstreppenhaus gestanzt. Der Bestand der Hofbebauung war in drei Bauabschnitten entstanden. Nur die erste gründerzeitliche Schicht erwies sich jedoch als erhaltenswert. Das zwischen Haupthaus und erstem Hofgebäude errichtete Zwischengebäude wurde ebenso wie das Kopfgebäude komplett zurückgebaut. Während in das erste erneut zwischengebaute Hinterhaus ein Parklift für acht Fahrzeuge mit zwei darüber aufgesattelten Studentenapartments integriert wurde, erhielt das in Holzskelettbauweise errichtete neue Kopfgebäude eine zweigeschossige Empore – geradezu maßgeschneidert für das junge Modelabel „Nowadays“, das hier seine Kollektionen entwirft und präsentiert. Der frühindustrielle Charme mit Holzdecken, preußischen Stahlkappendecken und alten, kaum mehr mit Putz, aber Patina besetzten Backsteinwänden wurde in den Bestandsgebäuden wieder freigelegt und größtenteils ohne Reparatur erhalten. Im Kontrast zur Fassadengestaltung und zur äußeren Rekonstruktion wurde innen auf jegliche Verkleidung verzichtet. Alle Gebäude wurden zudem heutigen brandschutztechnischen, energetischen und schalltechnischen Bestimmungen angepasst. Die mannigfaltigen, teils massiven, teils minimalinvasiven Eingriffe in den Bestand führten zu einem komplexen Patchwork, dessen größte Herausforderung darin bestand, Räume und Strukturen durch eine klare, wiedererkennbare Gestaltung miteinander in Beziehung zu setzen. In neuer Frische darf das Ensemble nun auf einige ungestörte Jahrzehnte hoffen.

www.hecker-architekten.de

Fotos:

Marcus Schwier
www.marcusschwier.net

Guido Erbring, Brillux
www.guidoerbring.com

hecker architekten

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|21)

Architekten:

Hecker Architekten
www.hecker-architekten.de

Elektro:

Elektro Lücke
www.elektro-luecke.de

Haustechnik:

Niedergesäss
www.badkulturen.de

Fenster:

Bröcking Fenster
www.broeckingfenster.de

Wärmedämmverbundsystem:

Egon Reipen & Sohn
www.reipen-neuss.de

Schleifestrich:

Fussbodentechnik24
www.fussbodentechnik24.de

Parkliftanlage:

Wöhr
www.woehr.de

Fliesen:

Dimitrov Fliesen
www.fliesen-dimitrov.de

Schlosser:

Kröger Metallbau
www.metallbau-kroeger.de

Hofpflaster:

Poscher
www.galabau-poscher.de

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