Wachgeküsste Dorfschönheit

Vorderhaus und Remise wurden mit einem dritten flachen Baukörper verbunden, um Kochen, Essen, Wohnen auslagern zu können, sodass das Vorderhaus fast nur noch als „Schlafhaus“ dient.

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Wenn das Beispiel der Verwandlung eines hässlichen Entleins in einen Schwan nicht so abgedroschen wäre, hier würde es passen. Mit einigen Kunstgriffen und der partiellen Verwendung historischer Materialien schaffte Architekt Karsten Schubert diese Transformation.

In einem Potsdamer Vorort mit Dorfcharakter hatte ein Bauherr ein altes, nicht mehr recht ansehnliches Wohnhaus von 1890 – gebaut im Stil der alten Kolonistenhäuser aus der Zeit Friedrichs II. – erworben. Für die fünfköpfige Familie war es viel zu klein und sein Inneres auch nicht mehr zeitgemäß. Im Garten dahinter stand eine Remise, die eigentlich zu nichts zu gebrauchen war, außer als Geräteschuppen. Der Architekt sollte durch einen Umbau Abhilfe und mehr Platz schaffen. Schubert hatte die geniale Idee, Vorderhaus und Remise mit einem dritten flachen Baukörper zu verbinden, um Kochen, Essen, Wohnen auslagern zu können, sodass das Vorderhaus fast nur noch als „Schlafhaus“ dient. Fast: Im Untergeschoss wurde eine kleine Einheit für ein Au-Pair geschaffen. Im Erdgeschoss gibt es neben Bad und Elternschlafzimmer auch noch ein Gäste- und ein Arbeitszimmer sowie ein Kaminzimmer. Das Obergeschoss beherbergt die Schlafräume der Kinder. Die kleinen Fenster wurden durch größere, zeitgemäße Fenster mit Dreifachverglasung ersetzt. Der Verbindungsbau, ein flacher Holzbau, verwandelt Vorder- und Rückgebäude in einen „Dreiseithof“ – so wurde das Projekt auch in den „Häusern des Jahres 2020“ getauft, zu denen es auserwählt wurde. Hier steckt die Raffinesse im Detail: Um die geometrische Ungleichheit auszugleichen, entwarf der Architekt einen verbindenden Neubau in Form eines Trapezes, der zur Grundstücksgrenze hin noch eine Garage aufnimmt und daneben Platz lässt für einen zum Hof hin großzügig verglasten Gang. Dieser in Schnitt und Grundriss ebenfalls trapezförmige Gang, vorn hoch und breit, verjüngt sich in Richtung Remise und wird flacher. Der optische Effekt dabei ist, dass der Gang vom Vorderhaus aus sehr lang wirkt – schaut man aber von der Remise aus, lässt der Gang den Abstand zwischen Wohn- und Schlafräume kleiner erscheinen. Hier, im hinteren Teil des neuen Verbindungsgebäudes liegen die Küche, ein Essplatz und eine sich anschließende Außenterrasse.

Der eigentlich „archäologische“ Teil der Arbeit begann bei der Remise. Die Mauern aus alten Reichsziegeln wurden innen gedämmt und durch eine neue Innenschale aus gebrauchten historischen Ziegeln gleicher Machart ergänzt. Das Dach wurde mit Biberschwanzziegeln neu gedeckt, im Inneren wurde mit historischen Eichenbalken eine Galerie mit Arbeitsfläche eingezogen. Im Erdgeschoss liegt das große Esszimmer und ein sehr geräumiger Living Room mit Luftraum.

www.karstenschubertarchitekt.de

(Erschienen in CUBE Berlin 04|20)

Architekten:

Karsten Schubert Architekt
www.karstenschubertarchitekt.de

Statik:

S&S Ingenieure
www.sunds-ingenieure.de

Energieberatung:

Energieberater im Land Brandenburg
www.energieberater-brb.de

Heizung, Sanitär:

Bensch
www.bensch-potsdam.de

Fassade Vorderhaus:

Kafloc
www.kafloc.de

Dämmung Remise:

Redstone
www.redstone.de

Zimmerarbeiten:

Zimmerei Woeltge
www.zimmerei-woeltge.de

Küche:

Flömö
www.flömö.de

Fußboden (Sichtestrich):

Estricon
www.estricon.de

Eichenholz Verbindungsbau:

Knapp, Historische Baustoffe
www.knapp-online.de

Fotos:

Maximilian Meisse
www.meisse.de

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