Im Dialog mit der Natur

Ein Wohnhaus in Braunsfeld beeindruckt durch seine skulpturale Wirkung – innen und außen

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Das großzügige Grundstück, das sich am Übergang zwischen Natur und urbanem Raum befindet, hat einen Hauptdarsteller: Eine in Form und Größe beeindruckende, über 100 Jahre alte Blutbuche steht im Zentrum des vorhandenen Gartens. Den Baum „in das Zentrum der Überlegungen“ zu rücken, war der Wunsch des Bauherrn neben dem Bedürfnis nach einem großen Maß an Privatheit. Die beauftragten Kölner Architekten Vidale Schnitzler haben einen monolithischen Baukörper entworfen und realisiert, der, zwischen der waldreichen Landschaft und dem urbanen Raum von Braunsfeld gelegen, den Auftakt zur verdichteten Bebauung der nahen Stadt bildet.

Als freistehendes Wohnhaus, ergänzt durch ein über eine Mauer verbundenes Gartenhaus, kreiert das Ensemble einen vollkommen privaten Gartenbereich, der sich ausschließlich zum benachbarten Wald hin orientiert. Während die Gartenseite weitgehendst transparent mit breiten Glasfronten gehalten wurde, öffnet sich das zweigeschossige Gebäude an der Eingangsseite über zwei große Fenster zum öffentlichen Raum. Die fast gänzlich geschlossene Ostfassade bildet zum Nachbargebäude eine Kulisse für einen vorgelagerten Obstgarten, der auch den Bewohnern in der Nachbarschaft ein hohes Maß an Privatheit ermöglicht. Zwischen straßenseitiger Fassade und öffentlichem Raum wurde zudem ein großer, nach Süden hin orientierter Wohnvorhof konzipiert: Durch Beete, eine Wasserschale, Skulpturen und eine seitliche Sichtbetoneinfriedung entwickelt diese Freifläche eine hohe Aufenthaltsqualität. Eine dauergrüne Heckeneinfriedung zur Straße gibt Sichtschutz, ohne dabei abweisend zu wirken. Die Materialität des Gebäudes zeichnet sich auf allen Ebenen durch einen hohen Anspruch an Authentizität aus. Die Außenhülle bildet ein hellgrauer Klinkerstein mit den Abmessungen 3,5 x 80 cm. Dieses liegende „römische“ Format ist eine Reminiszenz an die Ursprünge der römischen Gründung Kölns. Die Farbigkeit des Ziegels korrespondiert dabei harmonisch mit den allgegenwärtigen Grüntönen des großzügigen Baumbestandes der Umgebung. Die reduzierte Material- und Farbidee findet ihre Entsprechung in den Innenräumen: Eiche und Elemente aus Rohstahl sowie weiße Putzflächen definieren dort eine dezente, unaufdringliche Farbigkeit. Drei eingeschnittene, ebenfalls mit Ziegeln bekleidete Innenhöfe im Obergeschoss dienen der Belichtung der Innenräume.

Die klar geordnete Grundrissstruktur im Inneren ist durch Blickachsen gekennzeichnet, die den Kontakt zum Wald, zum Garten und letztendlich auch immer wieder zur Rotbuche suchen. Die in der Mitte des Gebäudes angeordnete, zen­trale Treppe wird über ein großes rahmenloses Oberlicht belichtet. Diese Öffnung sorgt für viel Tageslicht in der Mitte des Gebäudes. Die Treppe verbindet die Wohnräume im Erdgeschoss mit den privaten Schlafbereichen und Bädern im Obergeschoss, wo sich auch eine Bibliothek und eine Sauna befinden. Ein Kamin im Esszimmer sowie ein freistehender Ofen in der Bibliothek bringen im Winter Behaglichkeit ins Haus. Eine Außenküche mit Brotbackofen und Grill verlagern das familiäre Leben im Sommer dagegen auf die Terrassenflächen. Durch die Konzeption des Gebäudes mit eher geschlossenen Flächen nach Süden und großen Öffnungen nach Norden zum Garten ist eine klimatische Qualität der Innenräume ohne Zuhilfenahme einer aufwendigen Haustechnik gelungen. Auch in heißen Sommern ermöglicht das ein angenehmes Raumklima ohne zusätzliche Kühlung.

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Wohnfläche: 550 m²
Grundstücksgröße: 1.750 m²
Bauzeit: 18 Monate
Bauweise: Massivbauweise
Energiekonzept: Gasbrennwerttherme mit Solarthermie

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 03|20)

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