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Kunst statt Akten

Wohnen in einer ehemaligen Amtsstube mit viel Raum für Kunstwerke

Eine Umnutzung von Räumen bringt interessante Möglichkeiten mit sich. Alte Fabrikhallen in... mehr

Eine Umnutzung von Räumen bringt interessante Möglichkeiten mit sich. Alte Fabrikhallen in schicke Lofts umzuwandeln gehört heute schon zum guten Ton der Großstadtarchitektur. Doch andere Gebäude können der städtischen Wohnraumknappheit ebenfalls entgegenwirken, selbst wenn dies nicht immer sofort augenfällig ist. Bei einer ehemaligen Amtsstube etwa schnellt nicht sofort die Ideenskala nach oben. Zumindest nicht bei weniger kreativen Menschen. Der Gedanke an miefige Bürokratie, Aktenberge und vollgestopfte Büros überwiegt wohl. Dabei haben alte Verwaltungsgebäude durchaus Potenzial. In der Josefstadt hat das Büro Artec Architekten gezeigt, wie sich die hohen Räume eines ehemaligen Amtsgebäudes in großzügige Wohnfläche mit viel Stauraum verwandeln lassen.

Vom Eingang zieht sich ein Einbauschrank längs durch die neu geschaffene, großzügige Wohnung bis zur gegenüberliegenden Außenwand. Er trennt die privateren von den öffentlicheren Funktionen; Schlafräume, Bäder und Ankleide vom Wohn- und Essbereich. Raumhoch bietet dieser Raumteiler aus Eichenholz nicht nur Ablagefläche, sondern inszeniert mit verglasten Öffnungen auch Sichtbezüge. Oberlichter schaffen eine zusätzliche Verbindung, ganz ohne Durchblicke. Durch verschieden hohe Türen öffnen sich die Räume hinter der Trennwand. Raumhoch führt die Tür in das Schlafzimmer, das mit einer Tapete der amerikanischen Künstlerin Karen Kilimnik ausgekleidet ist. Verspiegelte Hängeschränke nehmen sich vor der lebendigen Wandgestaltung dezent zurück. Bei der Wahl der Waschtische in den beiden Bädern haben die Architekten auf extravagante Ausführungen in dunkel glitzerndem Biotitgneis und in einem warmen changierenden Rotorange Granit gesetzt.

Eine lederbezogene Sitzbank zieht sich dem Einbauelement gegenüberliegend vom Eingang um eine Ecke bis zur Küche. Die wiederum stellt sich selbst als Einbauelement dar, das sich mehr oder weniger vom Wohnraum abtrennen lässt. Verspielte Elemente wie die unterschiedlichen Durchgangssituationen in die Küche haben die Architekten auch im Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz aufgenommen, Durchbrüche verglast oder als Nischen genutzt. Der helle Terrazzoboden, der sich durch die gesamte Wohnung zieht, bildet einen Kontrast zu den braunen Einbauten, die nach und nach durch weitere maßgefertigte Möbel und die Kunstsammlung der Bauherrin ergänzt werden.

www.artec-architekten.at


Fotos:

Bruno Klomfar
www.klomfar.com

(Erschienen in CUBE Wien 02|19)