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Gefilterte Stadt

Wohnungen, die sich flexibel den Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen

Flexibilität, Mobilität, Veränderung – drei Begriffe, mit denen über eine moderne Stadt... mehr

Flexibilität, Mobilität, Veränderung – drei Begriffe, mit denen über eine moderne Stadt eigentlich alles gesagt ist. Menschen ziehen zu, ziehen fort. Aber nicht nur. Denn die drei Stichworte betreffen auch Firmen. In Simmering beispielsweise hatten sich die Hoerbiger Ventilwerke vor einigen Jahren verabschiedet, um in der Seestadt Aspern einen gemeinsamen Konzernstandort zu beziehen. Und das Gelände in Simmering? Das wurde für den Wohnungsbau ausgeschrieben, unterteilt in verschiedene Baufelder. Auf dem Bauteil Süd haben Geiswinkler & Geiswinkler Architekten mit einem der Straße zugewandten, u-förmigen Gebäudeteil und einem von diesem umschlossenen Riegel die Forderung nach ex­tremer Verdichtung erfüllt und doch Raum und Luft für das Leben in städtischer Lage geschaffen.

Wie Schubladen schieben sich die unterschiedlich großen Balkone in den Luftraum, heraus aus der vertikalen Struktur der verschieden starken Metallstangen, die die Fassade der Obergeschosse einrüsten. Dynamisch, schützend, verspielt – wie ein Filter wirken die Elemente, die den eigentlichen Wohnraum vor dem Trubel der Stadt abgrenzen. Dabei kommt das städtische Leben über die Gewerbeflächen in der Sockelzone durchaus in das Gebäude, wird aber durch den ebenfalls dort angesiedelten Gemeinschaftsraum und den großzügigen Haupteingang von den wohnenden Menschen durchdrungen. Die Balkone, von transluzenten Brüstungen umgeben, erweitern den Wohnraum ins Freie.

Die Schubladenidee hat System. Auch im Innern sind die Grundrisse bewusst flexibel gehalten. Dafür sorgt die hallenartige Grundstruktur der Geschosse. So lassen sich die Wohnungen den Bedürfnissen anpassen. Aneignung ist ohnehin eines der Stichworte, die diesem Mehrgeschossbau zugrunde liegen. Denn auch die Erschließungs- und Grünflächen sollen die Bewohner ausdrücklich in Besitz nehmen. Das mehr als 23 m hohe Atrium verbindet die beiden Gebäudeteile und bildet den Kern der Erschließungsflächen, deren Gänge mit Erweiterungen so gestaltet sind, dass hier Begegnung und Kommunikation stattfinden können, nicht nur beim Absperren von Kinderfahrrädern und Kinderwagen in den dafür auf jedem Stockwerk vorgesehenen Boxen. Inszenierte Sichtachsen schaffen Vertrautheit in dem lichten Raum, der durch farbige Wandgestaltung und Arbeiten des Wiener Street-Art-Künstlers Skirl die spannenden, interessanten Seiten der Großstadt in den geschützten Innenbereich holt. Diese geschützte Atmosphäre wird noch um ein Vielfaches erweitert durch die Positionierung des hofseitigen Riegels, der sich nach Südosten ausgerichtet, quasi in den schützenden Armen des äußeren Gebäudeteils befindet. Dieses Bild haben die Architekten auch konstruktiv aufgenommen. In Schottenbauweise errichtet, erhält das gestaffelte Innenhaus zusätzliche Stabilität von dem umgebenden U der Straßenseite. Gemeinschaftliches Wohnen mit all seinen Facetten erhält dadurch nochmal einen ganz anderen Aspekt.

www.geiswinkler-geiswinkler.at


Fotos:

Manfred Seidl
www.manfred-seidl.com

(Erschienen in CUBE Wien 03|19)