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Ein Stück Himmel für jeden

Spitz auskragende Balkone fangen das Licht ein, Glas lässt es frei strömen

Den Himmel einfangen, das war in der Pazmanitengasse die ursprüngliche Idee – im sakralen Sinn.... mehr

Den Himmel einfangen, das war in der Pazmanitengasse die ursprüngliche Idee – im sakralen Sinn. Denn hier wohnten die Schüler, die am Pazmaneum zu ungarischen Geistlichen ausgebildet werden sollten. Die Geschichte hat dieses Kapitel längst beendet. Im Volkertmarktviertel zwischen Prater und Augarten säumen nicht wenige Gründerzeithäuser die Straße. Hier einen Neubau einzufügen, der sich weder hinter einer Stuckfassade versteckt, noch wie ein Fremdkörper wirkt, funktioniert durch die geschickte Neuinterpretation der Gründerzeitfassaden, wie es das Architekturbüro Gerner Gerner Plus zeigen. Statt Stuck wird die Fassade begrünt, das Band der Balkone ist mehrfach geknickt und verleiht dem Gebäude so eine gewisse Leichtigkeit – und bringt den Bewohnern den Himmel nah, diesmal im profanen Sinn.

„Die Knicke dienen der Optik, aber viel mehr noch haben wir so erreicht, dass über jedem Balkon ein Stück Himmel sichtbar wird“, erläutert Architekt Matthias Raiger. Straßenseitig sah es zunächst so aus, als wären keine Balkone möglich, da sie nicht über die Baulinie hinausreichen durften. Die Architekten rückten das Gebäude kurzerhand etwas nach hinten und schufen damit Raum für die Freiflächen vor den Wohnungen. So hat jede der 50 Wohnungen, die auf sieben Geschossen entstanden sind, entweder eine begrünte Loggia, einen Balkon, einen Garten oder eine Dachterrasse. Terrazzofliesen ziehen sich von der Außenfassade des Erdgeschosses, in dem sich außer dem Eingang auch Geschäftsräume befinden, in das helle Treppenhaus. Handwerkliche Perfektion zeigt sich bis in die Details, wie etwa bei den Handläufen aus gebürsteter Eiche. Glasbrüstungen und Fensterelemente im Stiegenhaus öffnen lange Blicklinien und setzen im Innenraum die Leichtigkeit der geknickten Fassadengestaltung fort.

Lichtdurchflutet zeigen sich die Wohnungen des modernen Zinshauses, das sich zwar in seiner Materialität mit Beton und viel Glas von seinen historischen Nachbarn abgrenzt, konsequent aber auf eben deren Geschichte verweist. Den privaten Raum der individuell geschnittenen Wohnungen von 52 bis 117 m² Wohnfläche, von denen jede mit einer maßgefertigten Küche und Vollholzböden ausgestattet ist, ergänzen ein Spielplatz und eine Waschküche. Diese soll weit mehr als Wasch- und Trockenraum sein. Sie steht für die Bassena, dem früher allgemein zugänglichen Waschbecken auf dem Gang eines Mietshauses. „Die Bassena war das kommunikative Herzstück der Gründerzeithäuser. Daran haben wir unsere moderne Neuinterpretation angelehnt“, beschreibt Raiger.

www.gernergernerplus.com

Fotos:

Matthias Raiger
www.raiger.info

(Erschienen in CUBE Wien 04|19)