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Jede Sekunde Energie

Über Geschichten, Begabungen und die schönsten Wege ins Büro

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CUBE: Herr Teherani, als Architekt und Designer denken Sie über Raum nach, gibt es... mehr
CUBE: Herr Teherani, als Architekt und Designer denken Sie über Raum nach, gibt es wiederkehrende Gestaltungselemente?

Hadi Teherani: Einmal hat der Raum natürlich mit dem Ort zu tun. Ist er der Sonne zugewandt, welchen Ausblick gibt es? Wie sind die Proportionen? All diese Fragen spielen eine Rolle. Auch der abgelegenste Raum muss so gut gestaltet sein, dass ich mich persönlich hineinsetzen würde. Der Maßstab der Dinge ist das, was ich selbst fühle. Was für mich gut ist, ist auch für andere gut.

Sie entwerfen zunehmend Gebäude, die mit ihrem Namen als Marke vermarktet werden. Man kann heute eine von Ihnen gestaltete und eingerichtete Wohnung in einem von Ihnen entworfenen Gebäude kaufen. Was macht die Marke Hadi Teherani aus?

Eine Marke wird man erst dann, wenn viele berichten, es viele Empfehlungen gibt, wenn die Leute etwas mit diesem Namen anfangen können und dieser für eine bestimmte Qualität steht. Dann ist man eine Marke, also wenn die Beständigkeit, die Kontinuität der Arbeit da ist. Unsere Bauherren nutzen diesen Effekt natürlich gerne, weil sie wissen, dass mein Name jetzt schon sehr weite Ausstrahlung hat. Auch Käufer, die sonst noch nichts von Architektur gehört haben, kennen meinen Namen. Und das wird dann natürlich für das Projekt genutzt. Für uns ist es insofern gut, dass wir erweiterte Aufgabenbereiche bekommen. Und da ich immer ganzheitlich denke, passt mit das gut in den Kram. Architektur und Innenarchitektur sind für mich nicht trennbar. Ich habe auch schon sehr früh angefangen, die Arbeitstitel von Gebäuden, die ich gerade entwerfe, als Markennamen zu etablieren. Wenn Sie in Hamburg sagen: „Ich möchte zu den tanzenden Türmen“, weiß jeder, wohin er Sie schickt. Das gilt auch für das Dockland oder den Berliner Bogen. Oder in Köln für die Kranhäuser. Diese Gebäude sind so stark als Marke, weil sie eine Geschichte erzählen, die aus dem Entwurfsprozess heraus entsteht.

Haben Ihre Interior Designs einen für Sie typischen Fingerabdruck?

Nicht bezogen auf Türgriffe oder Möbel, sondern eher, dass die Raumproportionen angenehm sind. Dass es Räume sind, die lichtdurchflutet sind, über die nachgedacht wurde. Ich habe gerne Architektur, die ihre Kraft durch Raum entfaltet. Ich muss mich auch entwickeln können. Ich bin keinem Dogma unterworfen. Ich sage nicht, die Wahrheit liegt im Quadrat oder so etwas. Sondern für mich liegt die Wahrheit im Grundstück und in der Aufgabe. Ich sage immer: Der Entwurf ist schon da, du musst ihn nur noch erkennen. Das ist eigentlich die Hauptsache: Alle Informationen, alle Sinne, alle Blicke einzufangen und in Sekundenschnelle auf den Punkt zu bringen. Das ist es vielleicht, was ich als Begabung mitbekommen habe. Dass ich in einer Sekunde über alles gleichzeitig nachdenken kann. Die Aufträge kommen aus verschiedenen Richtungen und wir scheuen keine Aufgaben. Wir haben gerade eine Stoffkollektion für Fischbacher aus der Schweiz gemacht. Und zu jedem dieser Stoffe gibt es eine Geschichte aus 5.000 Jahren Kultur. Ich weiß nicht, ob man sonst in Stoffen so eine Tiefsinnigkeit findet. Aber das ist eben die Art, wie ich arbeite.

Sie haben da Bezüge zu Ihrem Heimatland Iran hergestellt und dessen Kultur, Muster und ähnliches aufgegriffen.

Genau. Ich habe erst jetzt erkannt, wo ich eigentlich herstamme, und habe mich der Kultur ein bisschen genähert, ich konnte bis vor fünf bis sechs Jahren nicht einmal die Sprache sprechen. Lesen und Schreiben kann ich sie bis heute nicht. Aber dann habe ich plötzlich diese reiche Kultur erleben dürfen, dort findet man den Ursprung von allem, was man kennt. Und wie schön die Sprache ist! Eine Zusammenarbeit mit Fischbacher lag irgendwie auf der Hand, denn Camilla Fischbacher hat auch persische Wurzeln. So entstand die Kollektion „Contemporary Persia“.

Wenn Ihr Arbeitstag beendet ist, wie entspannen Sie, wo tanken Sie Kraft, wo schalten Sie ab?

Ich tanke Kraft in jeder Sekunde, in der ich mich bewege, weil ich versuche, immer positive Energien aufzunehmen. Das fängt schon morgens früh an. Wenn ich aufstehe, gucke ich aus dem Fenster auf die Alsterlandschaft, welche jeden Morgen anders ist. Dann gehe ich unter die Dusche, das warme Wasser ist für mich die größte Entspannung überhaupt. Dann suche ich mir Kleidung aus, die mir in dem Moment Spaß macht und fahre immer nur schöne Strecken ins Büro. Ich fahre nicht die schnellste Route, sondern alles Strecken, die mir gute Energie geben. Dadurch tanke ich Kraft. Im Büro angekommen, sehe ich Lichtreflexe auf der Wand, die ich eine Stunde lang betrachten kann – als ob ich auf das Meer schaue. Wir können sehen, wir können denken, wir können Eindrücke aufnehmen und selektieren. Wenn man das alles bewusst macht, dann nimmt man in jeder Sekunde Energie auf und kann diese auch immer abrufen.

Herr Teherani, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Bettina Schön.



Hadi Teherani

1954 in Teheran geboren, aufgewachsen in Hamburg – ist ein äußerst produktiver und vielseitiger, international ausgezeichneter deutscher Architekt und Designer. Seine Arbeit vollzieht sich in jeder Beziehung grenzüberschreitend, jenseits von Nationalitäten und Fachdisziplinen. Die Projekte zielen auf atmosphärische Ausstrahlung, emotionale Eindringlichkeit und eine ökologisch fundierte Nachhaltigkeit, die schon im Entwurf angelegt wird. Er hat weltweit Projekte realisiert. Für renommierte Markenhersteller hat er so unterschiedliche Produkte wie ein E-Bike, einen Konferenztisch, einen Bürostuhl, modulare Architekturprogramme und Leuchten entworfen. Showrooms und Flagship Stores gehören ebenso zum Werkverzeichnis wie Hochhäuser, Unternehmenszentralen, Behörden, Einkaufswelten, Hotels, Bahnhöfe, Schulen und Universitäten. Ende 2020 wurde er für seine Verdienste im Bereich der Architektur und der Gestaltung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Fotos:

Roger Mandt, Berlin
Christian Fischbacher Co. AG
Bloomimages
Parham Taghioff
Hadi Teherani Architects/Brick Visual/David Knörnschild

(Erschienen in CUBE 04|22)