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Die Kunst der guten Lichtplanung

Ein Gespräch mit dem Lichtdesigner Andreas Schulz aus Bonn

CUBE: Das Logo Ihres Büros besteht aus „Licht“ und „Kunst“. Dazwischen ist eine senkrechte... mehr
CUBE: Das Logo Ihres Büros besteht aus „Licht“ und „Kunst“. Dazwischen ist eine senkrechte Linie. Was hat es damit auf sich?

Andreas Schulz: Das Logo spiegelt auch unsere Identität wider. Wir schrei­ben „Licht Kunst Licht“ im Kreis. Wenn Sie von 12 Uhr aus lesen, ist es Lichtkunst, und wenn Sie von 6 Uhr aus lesen, ist es Kunstlicht. Der vertikale Strich sorgt dafür, dass die beiden Worte voneinander getrennt sind und man die Freiheit hat, es so zu interpretieren, wie man möchte.

Ihre Projekte verlassen Sie erst, wenn sie fertig sind. Können Sie das bitte näher erläutern?

Ich bin ja gelernter Elektroinstallateur und habe auch nach der Ausbildung noch mehrere Jahre auf Baustellen gearbeitet. Als Praktiker weiß ich, wie schwer es ist, wenn Techniker sehr anspruchsvolle Planungen umsetzen sollen und die Planer an einem bestimmten Punkt aufhören, mit ihnen zu kommunizieren. Darum nehmen wir keine Projekte an, bei denen wir nicht auch mindestens einen Einfluss auf die Bauleitung haben. Was wir in den vorherigen Phasen verteidigt haben, wollen wir auch ausgeführt sehen. Durch Anwesenheit auf allen unseren Baustellen beobachten wir die Umsetzung und justieren auch nach.

Sie arbeiten mit berühmten Architekten wie David Chipperfield beim Hamburger Elbtower oder Jean Nouvel beim National Museum of Qatar zusammen. Fragen sie bei Ihnen an oder bewerben Sie sich?

Zum Teil sind das gewachsene Freundschaften. Viele der jetzt berühmten Architekten waren natürlich auch einmal am Anfang ihrer Karriere und wir haben sie mit wachsendem Erfolg begleiten dürfen. Wenn ich sehe, dass jemand einen Wettbewerb gewonnen oder ein interessantes Projekt hat, bringe ich uns in Erinnerung. In den meisten Fällen ist so eine Kollaboration von Anfang an geplant, weil wir mit vielen der Architekten schon in der Wettbewerbsphase zusammenarbeiten.

Das Zusammenspiel von Kunstlicht und Tageslicht ist bei Ihrem Projekt „Städel Museum“ in Frankfurt besonders beeindruckend ...

Ich würde es ein Masterpiece von uns nennen. Die Architekten Schneider und Schumacher wollten keinen oberirdischen Neubau platzieren, sondern das Museum unter dem Garten erweitern. Wir haben dann die 190 Oberlichter geplant, in die auch steuerbares Kunstlicht integriert ist. Es kann dem Tageslicht angepasst werden. Die Verglasung muss zudem die Radlast eines Feuerwehrautos tragen können. Das Ganze war eine hochkomplexe Aufgabe.

Wie sieht für Sie die Zukunft des Lichtes aus?

Ein Trend ist sicher die Digitalisierung des Lichtes. Es gibt viel Potenzial, die LED-Lampen zu steuern. Man kann dem weißen Licht Farbe hinzufügen, es warmtoniger oder kühler machen. Viele Leuchtensysteme sind „tunable“, wie wir sagen.

Andreas Schulz

Grundstein für seine Karriere als Lichtplaner war eine Lehre als Elektroinstallateur. Es folgten ein Studium der Elektrotechnik und weitere Ausbildungen. 1991 gründete er das Büro „Licht Kunst Licht“ in Bonn und Berlin. Heute gibt es Satellitenbüros in Barcelona und Bangalore. Mit seinem 42-köpfigen Team blickt Andreas Schulz aktuell auf rund 800 realisierte internationale Projekte. Darunter Museen, Headquarters großer Unternehmen oder Repräsentationsgebäude für die Politik. Das Büro erhielt schon viele Preise, u. a. wurde es vor kurzem beim Award des britischen online Magazins „Build“ in der Kategorie Architecture Awards als „Best International Lighting Design Studio – Europe“ geehrt. Andreas Schulz ist Gründungsprofessor für das Kompetenzfeld Lighting Design an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim.

Sind Sie neugierig auf weitere Projekte des Büros? Oder möchten Sie einen Tipp für Ihre Lichtgestaltung zu Hause? Hier gelangen Sie direkt zum Podcast mit dem vollständigen Interview, das Ulrike Wilhelmi führte.

Foto:

Licht Kunst Licht AG

(Erschienen in CUBE 04|22)