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Weiss verbindet

Ein Wohnhaus erzählt eine Handwerks-Geschichte

Das „weißehaus“, ursprünglich erbaut für die Familie Wacker im Jahr 1905, befindet sich... mehr

Das „weißehaus“, ursprünglich erbaut für die Familie Wacker im Jahr 1905, befindet sich gegenüber der Württembergischen Grabkapelle in Untertürkheim. Der einstige Bauherr, Friedhofssteinmetz Wacker, hinterließ während seiner Wirkungszeit einige Spuren, von dessen Geschichte das Haus zu erzählen vermag. Die Mischnutzung des Hauses gliederte sich in eine Steinmetzwerkstatt im Gartengeschoss, die Beletage in der Hauptetage mit repräsentativen Wohnräumen und den Schlafräumen im Mansardgeschoss. Die Jugendstilfragmente, sichtbar im Holzwerk, die man in der Bel Etage und im Untergeschoss vorfand, wurden von ausgesuchten Handwerkern mit einer hohen handwerklichen Präzision wieder herausgearbeitet.

Dem Architekten Frank Dollmann aus Stuttgart war sofort bewusst, dass man diesem Nichtvorhandensein von wichtigen Stilelementen und dem Zeugnis unterschiedlicher Epochen nur mit einem tragfähigen, gestalterischen Konzept begegnen konnte. Die Nichtfarbe Weiß, die sowohl die alten Baustildetails als auch die neuen Elemente und Baustoffe verbindet, wurde somit zum zentralen Thema des Umbaus. So erhielten sowohl Böden als auch Decken ein strahlendes Weiß. Alle Fußböden auf den vier Geschossen haben einen Belag aus weißem Polyurethan. Die Einbauten der Küche, Bibliothek und im Ankleidezimmer besetzen weiße Oberflächen. Auch der Weg von der Grundstücksgrenze zum Eingang, auf dem man wandelt, um den weiß blühenden Garten zu bewundern, ist aus weißem Sichtbeton gestaltet. Frank Dollmann und sein Team thematisierten das „Nichts“, indem sie in höchster Präzision notwendige Konstruktionen auf ein Minimum reduzierten. So wurden grobe Blockzargen aus der vorausgegangenen Sanierung durch solche mit einer sehr dünnen Kante ersetzt, die eine Tür gerade halten kann. Jetzt steht einer Türzarge mit Jungendstilornamentik eine sogenannte „Nichtzarge“ gegenüber. Ein weiteres Beispiel sind die Sockelleisten, die an manchen Stellen bewusst weggelassen wurden, um ein neues Gegenüber zu positionieren.

Großes Können haben auch die Handwerker für den Innenputz gezeigt: Es wurde sowohl ein Lehm­putz als auch ein Kalkpressputz aufgebracht, der eine solche Oberfläche erhalten sollte, dass er später ohne Anstrich und Tapete auskommt. Auch die Beleuchtung des Gebäudes wurde in das Konzept des Nichtvorhandenseins integriert. So sind alle Leuchtkörper in die Decke eingelassen, deren Leuchtkörper meisten im Balkengefache platziert werden konnte. Die Lüftung befindet sich in einer Schattenfuge am Rand der Decke. Für den Betrachter ist eine schwarze Linie als ein graphisches Element im Zusammenhang mit den schwarzen Beleuchtungslöchern erkennbar. Wie auch an dieser Stelle nicht erkennbar, hat das Gebäude einen sehr hohen Grad an technischer Installation. Der Bauherr ist so stolz auf sein neues Heim, dass er eigens eine Website eingerichtet hat, auf der er die Leistung des Architekturbüros und der Handwerker würdigt: www.weisseshaus.info.

www.dollmann-architekten.de

Architekt: architekturbüro dollmann + partner www.dollmann-architekten.de Fotos:... mehr

Architekt:

architekturbüro dollmann + partner
www.dollmann-architekten.de

Fotos:

Dietmar Strauß