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Von Ausschnitten und Einschnitten

Barrierefrei wohnen mit überraschendem Grundriss

Die Ansprüche an das Wohnen verändern sich, so wie sich das Leben verändert. Wer sich für das... mehr

Die Ansprüche an das Wohnen verändern sich, so wie sich das Leben verändert. Wer sich für das Alter einrichtet, setzt vor allem auf Barrierefreiheit: Bad und Küche, Schlaf- und Wohnzimmer verbinden sich schwellenlos in einer Ebene. Genauso wünschte es sich auch ein Ehepaar für seinen nächsten Lebensabschnitt. Den Wunsch nahm Architekt Thomas Becker gerne auf, sah sich dann aber mit einem Bebauungsplan konfrontiert, der genau das nicht zuließ. Die Zweigeschossigkeit war in den 1960er-Jahren festgelegt worden, als das Wohngebiet entstand. Im Zuge einer Nachverdichtung waren die großen Grundstücke geteilt worden, neue Bauplätze entstanden. Der alte Bebauungsplan hatte aber immer noch Bestand.

Was zunächst wie ein unlösbarer Konflikt erschien, löste der Architekt durch die ungewöhnliche Platzierung der Heizungsanlage auf dem Dach. Ihr ist gemeinsam mit Abstellflächen das minimalistische Obergeschoss zugewiesen, das der straßenseitigen Fassade ihre Symmetrie gibt. Das gelingt auch durch die Einbindung der neben dem Haus stehenden Garage. Überraschend schrägt sich der Aufbau ab, endet weit vor der gartenseitigen Dachkante. Und zwar genau dort, wo ein nach Süden offener Innenhof einen geschützten Außenbereich mitten in den ansonsten klaren, rechteckigen Grundriss schneidet. „Die Schräge des Aufbaus nimmt die Dachneigung der umstehenden Häuser auf. Wichtig war uns aber vor allem, dass der Aufbau dem Innenhof kein Licht nehmen kann“, erklärt Becker.

Während sich der Blick beim Eintreten noch klar und fokussiert durch den Wohnbereich in den Garten richtet, wird er beim Vorbeigehen in den Innenhof abgelenkt. Der erscheint wie der eigentliche Wohnraum, ein verborgenes, aber sehr präsentes Zentrum. Er öffnet Blickbezüge zwischen den einzelnen Funktionsbereichen, gibt dem 133 m² großen Haus seine besondere Atmosphäre, fesselt mit seiner Präsenz. Die Inszenierung der Räume gelingt vor allem durch Überraschungseffekte bei den Aus- und Einblicken. Die Gestaltung nimmt sich dafür dezent zurück. Breite Schiebetüren verschwinden in Wänden, ein durchgängiger Steinboden schleicht sich allenfalls in das Unterbewusstsein, prägt mit seiner hellen Eleganz den Stil der Räumlichkeiten. Fast unscheinbar wirken dagegen die großen, zum Garten hin ausgerichteten bodentiefen Fenster. Dabei führen sie direkt auf die einladende Terrasse, raus aus dem Büro und dem Wohn- und Essbereich. Nach Westen ausgerichtet liegt hier der ideale Ort, um einen lauen Abend zu genießen.

www.thomasbecker-architekten.de


Fotos:

Foto & Film Zeisel
www.foto-zeisel.de

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|20)

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