Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Steaks in erzählerischer Atmosphäre

Umbau einer Kirche zu einem Begegnungszentrum mit Gastronomie

Als im Jahre 2004 die evangelische Kirche im Dortmunder Stadtteil Deusen aufgegeben werden... mehr

Als im Jahre 2004 die evangelische Kirche im Dortmunder Stadtteil Deusen aufgegeben werden sollte, wurden viele Bürger aktiv, um die Kirche als sozialen Mittelpunkt umzuwidmen und zu erhalten. Schnell war die Idee geboren, aus der Kirche ein Deusener Begegnungszentrum mit angebauter Stadtteil- und Ausflugsgastronomie zu machen.

Um dieses Vorhaben zu realisieren, schrieb der Verein einen Planungswettbewerb aus, den das Architekturbüro Andreas Hanke mit einem Entwurf, der auf die Kernfunktionen „Kultur- und Veranstaltungsort“, „Vereins- und Jugendhaus“ sowie „Gastronomie“ in drei unterschiedlich gestalteten Baukörpern einging, für sich entscheiden konnte. Nach jahrelangen Bauarbeiten war es dann im Juli 2011 soweit: Die ehemalige Gustaf-Adolf-Kirche konnte als neues Begegnungszentrum Deusen feierlich eröffnet werden.

Die Neugestaltung der Kirche beschränkte sich dabei auf eine monochrome weiße Beschichtung aller Oberflächen. Die Farbe Weiß erinnert assoziativ an die Reinheit und Erhabenheit der alten Gebäudebestimmung und vermittelt über die neue Nutzung hinaus eine Aura von Spiritualität und Ewigkeit.

Ähnlich der Kirche beschränkt sich die formale Gestalt des Neubaus auf einen Archetypus. Die Grundform bildet ein L-förmiger Baukörper mit Satteldach, der mit dem einen Ende in Anlehnung an die Funktion eines klassischen Kreuzganges an das Kirchengebäude anschließt. Als Symbol des Weltlichen und der Gegenwart wurden für den Neubau, in dem sich der Gastraum sowie weitere Funktionsräume befinden, ausschließlich Materialien in der Farbe rot verwendet. Der Kontrast zur weißen Kirche dient dazu, den beiden Baukörpern mit unterschiedlicher Nutzung eine unmittelbare und eindeutige Identität zu verleihen. Durch den Anbau entstand ein klar definierter, von den Gebäuden dreiseitig umschlossener, sich zur Straße hin öffnender Hof, der als geschützter Außenraum dient. Das neue Gebäudeensemble, bestehend aus Kirche und Anbau mit Gastronomie, erschließt sich von der Deusener Staße her über den Hof. Der große Veranstaltungsraum mit ca.150 Sitzplätzen befindet sich im rechten Flügel, dem ehemaligen Kirchenschiff, während der Bewirtungsraum der Gastronomie den linken Flügel des Gebäudes bildet. Der Verbindungsgang inklusive Bar dient als Foyer, wobei der WC-Bereich ebenfalls zentral zwischen den beiden Hauptnutzungen angeordnet ist.
Die Landmarke am Dortmund-Ems-Kanal ist eine skalierte Skulptur des Deusener Kirchturms in den Farben rot und weiß analog zu der Gestaltung des Begegnungszentrums, das eine Aufwertung für das Naherholungsgebiet Dortmund –Ems Kanal darstellt. Schließlich entstand mit der Umnutzung der Kirche zu einem Begegnungszentrum nicht nur ein neuer Ort der Gemeinschaft für alle Deusener, sondern auch ein neuer lebendiger Ort in der Stadt Dortmund mit einer optimalen Verkehrsanbindung, der als Knotenpunkt einen fließenden Übergang zu den Naherholungsgebieten Dortmund-Ems-Kanal, Deusenberg und dem Emscher-Landschaftspark schafft.



Das neue Gebäude wurde in einfacher Holzrahmenbauweise errichtet. Diese Konstruktionsart ermöglicht im Gegensatz zum Massivbau das größte Potential für Eigenleistungen der Gemeinde und des Fördervereins.

 Die Innenräume des Neubaus waren vom ersten Entwurf an als archaisch, emotionale Räume gedacht. Mit anderen Worten: Es sollte bewusst die Wirkung erzielt werden, als seien diese Räumlichkeiten schon seit einem Jahrhundert der Ort, an dem man sich trifft. Das geplante Gastronomiekonzept durch Michael Hohoff‘s ”800°“ sieht ebenfalls Räume vor, die aus alten Hölzern gestaltet sind, in denen Tische aus altem Material stehen und in denen sich neben einem urgemütlichen Kamin auch ein eiserner Kerzenleuchter befindet. Für die Räume der Gastronomie wurde ein Oberboden geplant, der an historische Holz- und Steinböden erinnern soll. Gewählt und gesucht wurden hierfür ein Holzboden der aus 200 Jahre alten Eichendielen besteht, die aus historischen Gebäuden ausgebaut und aufgearbeitet wurden, sowie Natursteinflächen aus getrommeltem belgischem Blaustein. In der Wahrnehmung der Besucher entsteht somit ein Eindruck, als wäre er an einen Ort zurückgekehrt, den er schon lange kennt – ob aus Erinnerungen oder Filmen oder dem Besuch in einer schönen historischen Stadt. Dieses Konzept, emotionale Räume zu schaffen, ist für den Erfolg des Begegnungszentrum und der Gastronomie zwingend notwendig. Es folgt den Erfahrungen, die beim Projekt des Jazzclub domicil gesammelt wurden. Auch hier wurde ein erzählerisches, fast filmisches Konzept mit atmosphärischen Oberflächen realisiert, welches zahlreiche Menschen anspricht und das Projekt bis heute erfolgreich gemacht hat.

www.andreas-hanke.de
www.hohoffs.de

Architekt Andreas Hanke www.andreas-hanke.de Fotos M. Weissbacher Fotografie GmbH... mehr

Architekt

Andreas Hanke
www.andreas-hanke.de

Fotos

M. Weissbacher Fotografie GmbH
www.studio-weissbacher.com

Gastronomie

HOHOFFS 800°
www.hohoffs.de