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Für den guten Ton

Knabenchor der Chorakademie Dortmund findet neues Zuhause

Die Chorakademie Dortmund ist mit 1.000 Sängerinnen und Sängern in 30 Chören Europas größte... mehr

Die Chorakademie Dortmund ist mit 1.000 Sängerinnen und Sängern in 30 Chören Europas größte Singschule. 2017 musste für den Knabenchor, der zu den Besten deutschlandweit gehört, schnell ein neues Zuhause gefunden werden. Heute ertönen die Stimmen der Jungen auf dem einstigen Ziegeleigelände am Harkotshof in Dortmund. Hilker + Jochheim Architekten verknüpften im TONwerk geschickt Tradition und Moderne. Die neue Heimat des Knabenchores liegt auf historischem Grund: Der „Vater des Ruhrgebiets“, Friedrich Harkort (1793–1880), erbaute an dieser Stelle Industrieanlagen für eine Chamottefabrik. Nach seinem Tod machte sein Schwiegersohn daraus das Tonwerk Harkortshof. In den 1960er-Jahren wurde bis auf das alte, 12 m hohe Kesselhaus alles abgerissen. „Als wir das Grundstück das erste Mal betraten, war sofort klar: Das einstige Tonwerk musste trotz seines in die Jahre gekommenen Zustands erhalten werden“, erklärt Architektin Linda Jochheim. Der Entwurfsgedanke stand also unter dem Terminus „Brücken schlagen“ und die historische Industriekultur sollte dabei eine tragende Rolle spielen.

Zunächst befreiten die Architekten den historischen Baukörper von diversen Vorbauten, Überdächern und Scheunen, von denen er im Laufe der Jahre geradezu umschlungen worden war. Der alte Backstein wurde aufwendig gereinigt und fachgerecht ausgebessert. Sofort wurde der alte Charme wieder lebendig. Behutsam erfolgten intensive Restaurierungsarbeiten im Inneren, um vorhandene Materialien und das Tragwerk aus Holz wieder zur Geltung zu bringen. Ein neuer Boden in Betonoptik und eine Treppenkonstruktion mit Galerie und Geländer in Aluminium und Stahl unterstreichen den industriellen Charakter. Die ehemalige Ziegelei ist heute schmuckes Foyer und zugleich Bindeglied zwischen zwei eingeschossigen Neubauten, die in ihrer kubisch modernen Formgebung bewusst einen Kontrast bilden. Verbindend wirken einzelne Fassadenteile mit Holzelementen.

Die Neubauten schaffen Platz für einen großzügigen Eingangsbereich, verschiedene Proberäume, einen Konzertsaal, Spielräume, Büroflächen sowie diverse Nebenräume. Auch hier herrscht Industriecharakter: Schlichte weiße Wandflächen bieten Raum für Ausstellungen, der Betonboden wurde mit einer Sichtbetonwand kombiniert, die im Außenbereich beginnt und den Besucher ins Innere begleitet. Dennoch wirkt hier nichts kühl und abweisend. Im Gegenteil: Allein die Lage der Immobilie mitten im Grünzug, umgeben von hohen Bäumen und Wiesen, die in den Pausen zum Fußballspielen einladen, wirkt anziehend auf die Kinder. Die Räume sind lichtdurchflutet mit Sichtbezügen ins Grüne und die ebenfalls umgebaute Scheune bietet auch bei schlechtem Wetter Spielmöglichkeiten. Die schlichten Proberäume schaffen eine optimale Atmosphäre für Ruhe und Konzentration. Schließlich sollen die Jungen, die hier regelmäßig proben, im Chor und als Solisten in den großen Konzerthäusern Deutschlands auftreten.

www.hilker-jochheim.de

Fotos:

Fotostudio Tölle, Iserlohn
www.toellestudios.de


(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|19)