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Die vierte Architekturdimension

Ein Haus im östlichen Ruhrgebiet schenkt dem Licht volle Aufmerksamkeit

Die Bauherren - ein junges, architekturin­te­re­ssiertes Ehepaar - hatten über Jahre und auf... mehr

Die Bauherren - ein junges, architekturin­te­re­ssiertes Ehepaar - hatten über Jahre und auf vielen Reisen genaue Vorstellungen von ihrem Wunschhaus entwickelt. Licht in Form von Tages- und Kunstlicht spielte eine zentrale Rolle dabei. Ihre Vorgaben für den Entwurf waren sowohl hinsichtlich des Raumprogramms, der Raumbeziehungen, Ausblicke und sogar des Grundrisskonzeptes konkretisiert durch genaue Vorstellungen zur Tages- und Kunstlichtinszenierung aller Innen- und Außenräume. Licht wurde in ihren Vorstellungen zur vierten Dimension der Architektur - einige hundert atmosphärische Fotos und genaue Beschreibungen hatten sie zusammengetragen.

Heiderich Architekten aus Lünen entwickelten ein architektonisches Konzept, das alle Details und Anforderungen in eine Gestalt brachte und die Verbindung zum gefundenen Baugrund herstellte. Schon die ersten Gespräche zeigten, dass die Detailliebe des Architekten und der Bauherren zu einem sehr intensiven Projektverlauf führen würde. Das Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit ist ein sehr individuelles Hauskonzept: Ein mit Klinker verkleideter Sockel und eine gefaltete champagnerfarbene Metallplatte werden von einem halbtransparenten Holzquader überkragt, der über dem gläsernen Wohnbereich schwebt. Dem Eingangsbereich im Erdgeschoss zugeordnet sind Kellerersatz- und Hauswirtschaftsraum sowie der Arbeitsbereich mit eigenem Außenfreibereich. Küche, Wohn- und Essbereich sind als ein fließender Raum aufgefasst. Hinein gestellt wurde die Geschosstreppe - ein Element, das tagsüber den Raum zoniert, nachts zur leuchtenden Lichtskulptur wird. Im Obergeschoss befindet sich der Schlafraum mit Blick über das Ruhrgebiet, einer Ankleide und dem großzügigen Bad. Die Außenanlagen bieten Terrassen für unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten und verzahnen das Haus mit dem Grundstück. An den Wohnbereich schließt unmittelbar ein Naturpool mit einem Eichenholzdeck an.

Die strengen formalen Regeln der Baukörperkomposition und die Vorliebe für sorgfältig ausgewählte Materialien – Eiche, münsterländischer Klinker, bergische Grauwacke, geölte Thermopappel und Aluminium - erinnern an Bauten aus den 1960er- und frühen 1970er-Jahren. Farblich war vieles erlaubt – nur Grau war verboten. Speziell für das Licht wurde ein Konzept entwickelt, das die Tages- und Nachtarchitektur des Hauses genau definiert. Der von den Lichtplanern Light Design Engineering Kober erarbeitete Entwurf nimmt sich den Bauherrenwunsch zur Grundlage, ein ausgewogenes Zusammenspiel von lichten, zum Garten hin geöffneten Wohnräumen und schattigeren, uneinsehbaren Privaträumen im 1.  Obergeschoss zu schaffen. Die dreiseitige Komplettverglasung lässt das Licht durch den Wohn-Essbereich fließen und wird mit ihren über Eck zu öffnenden Schiebetüren und den vorgelagerten Vordächern niveaugleich mit dem Außenraum verzahnt. Die Tiefe der Vordächer ergab sich aus einer exakten Sonnenstudie. Sowohl die Verschattung der Südseite zwischen April und September ist so gewährleistet, als auch der beabsichtigte Lichteinfall und die Aufwärmung der Räume in den Wintermonaten. Im Gegensatz dazu steht das introvertierte und intime Obergeschoss: Die Holzlamellen der Fassadenverkleidung laufen auch vor den Fenstern durch, filtern das Licht durch das Holz warm und erzeugen eine spielerische Licht- und Schattenwirkung – ein angenehmer, kühler Rückzugsort im Sommer; im Winter erinnert die Atmosphäre an eine Ski Lodge. Lediglich das Schlafzimmer sitzt wie ein Adlerhorst über den Baumwipfeln mit ausgezeichnetem Fernblick, ohne dabei einsehbar zu sein.

Das Kunstlichtkonzept nimmt die gegensätz­lichen Atmosphären im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss zu den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten auf und interpretiert diese in einer Nachtarchitektur, die die Bewohner und ihre Lebensgewohnheiten widerspiegelt. Wie das Mobiliar ist auch das Licht im Haus maßgeschneidert. So konnten die Leuchtengehäuse erst im Rohbaubeton der Decke eingegossen werden, als klar war, wo Sofa und Esstisch ihre genauen Plätze haben werden. Sehkomfort, natürliche Lichtfarben und eine hohe Farbwiedergabe sowie flexible Schalt- und Dimmbarkeit zeichnen das Licht aus. Die deckenbündig eingebauten und somit sehr reduzierten Leuchten sind blendungs- und streulichtfrei und gewährleisten somit sehr effizient gerichtetes Licht.

Der große Anteil homogener vertikaler Beleuchtung auf den wenigen Wandflächen macht die Raumgrenzen wahrnehmbar und schafft einen Ruhepol für das Auge. Zusätzlich zu dieser Grundbeleuchtung gibt es an der Möblierung orien­tierte Beleuchtungsakzente. Arbeitsbereiche in der Küche werden mit Downlights beleuchtet, das Sofa wird mit Richtstrahlern mit Ovalzeichnerlinsen akzentuiert - wie eine Skulptur im Raum, im Winkel aber auch so geneigt, dass sie perfektes Leselicht gewährleisten. Eng gebündelte Lichtkegel erfahren eine Reihe bereits vor der Planung definierte Orte. Herausragend ist die Nische im Wohnzimmer, welche sich im Licht aus der nur leicht glimmenden Ziegelwand löst. Sie ist der Ort für einen Kerzenkamin – ein entspannendes, besonders atmosphärisches Raumelement, das die Bauherren von ihren Venedigreisen mitbrachten.

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Thomas Meyer
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