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Casino mit Persönlichkeit

Farbenfroher Umbau im Universitätsklinikum Essen

„Ich bin froh, dass ich meinen Stil noch nicht gefunden habe; ich würde mich zu Tode langweilen“... mehr

„Ich bin froh, dass ich meinen Stil noch nicht gefunden habe; ich würde mich zu Tode langweilen“ – wie der französische Maler und Bildhauer Edgar Degas hält es auch Innenarchitektin Gudrun Schade. Für sie gibt es keine Schubladenlösungen. Jeder Auftrag ist ein neuer Ansatz. Jeder Raum soll die Persönlichkeit seines Nutzers widerspiegeln. „Auch Unternehmen haben eine Persönlichkeit, die durch Innenarchitektur sinnlich erlebbar wird“, sagt sie. Für das Uniklinikum Essen verwandelte sie die Kantine in ein farbenfrohes Casino.

Das Bestandsgebäude des Uniklinikums Essen ist dreiseitig großzügig verglast. Die Baustruktur ist offen, einzig von Säulen werden die riesigen Räume getragen. Dennoch wirkte die Kantine für Besucher aufgrund von Boden und Möblierung dunkel und trist. Einziger Farbtupfer: künstliche Blumen in rollbaren dunkelblauen Trögen. Auch funktional war die Kantine im Stil der 80er-Jahre nicht auf der Höhe der Zeit: Gleichförmige, in langen Reihen gestellte Tische boten wenig Aufenthaltsqualität, es mangelte an augenfälligen Treffpunkten und zu Stoßzeiten konnten nur schwer bis zu 500 Personen gleichzeitig mit Essen und Sitzplätzen versorgt werden, und es war unerträglich laut. „Ein Grundbegriff für die Entwurfsaufgabe war die ‚Zonierung’. Eine Auswahl von deutlich unterscheidbaren, gleichwohl zueinander passenden Farben, Materialien und unterschiedlichen Sitzgruppenformen“, erklärt Gudrun Schade. „Ein anderer war die ‚Diversifizierung’. Ich wollte Nutzungsmöglichkeiten für unterschiedliche Gruppen anbieten. Egal ob man sitzen, stehen oder auf dem halbhohen Barhocker den Überblick wahren möchte - hier findet jeder seinen Raum.“ Zum Beispiel die Mitarbeiter einer kompletten Station, kleinere Gruppen, Besucher, Ärzte und Studenten, aber auch die immer am Klinikum arbeitenden Handwerksbetriebe, die ihr Mittagessen in der Kantine einnehmen. Der dritte Grundbegriff ist die „Aufenthaltsqualität“: „In öffentlich genutzten Räumen ist die Atmosphäre oft steril und die Akustik ist unangenehm. Das wollte ich vermeiden.“

Wer heute das Casino betritt, den umfängt eine warme Stimmung. Leuchtendes Orange, sattes Grün, freundliches Gelb und sogar kräftiges Pink in der Coffee-Lounge teilen den riesigen Raum in verschiedene Nutzungszonen auf. Seine enorme Großzügigkeit wird nicht von raumhohen Trennwänden durchbrochen. Stattdessen bietet ein halbhoher Sichtschutz aus Dekorplatten eine Raumteilung und Verbesserung der Akustik. Stehende Personen können darüber hinweg in den gesamten Raum blicken, Sitzende fühlen sich dahinter sicher und geborgen. Natürliche Materialien wie fossile Blätter, eingebettet in transparente orangene Platten, echte Seidenkokons in grünen Platten und echte Bambusringe in den Dekorplatten der Coffeelounge strahlen Gemütlichkeit aus – ohne plüschig oder kitschig zu sein. Für die Platten wurden hygienisch unbedenkliche Kunststoffe verwendet, die nachhaltig produziert wurden. Holz und nicht Desinfektionsmittel resistente Materialien dürfen in einem Krankenhaus keine Verwendung finden. Um den warmen Holzton zu erzielen, verwendete die Innenarchitektin hochwertiges Dekor für die Tische und Designplanken in Holzoptik für den Boden. Dem Casino des Uniklinikums hat Gudrun Schade einen eigenen, unverwechselbaren Stil verliehen. Und die steigenden Besucherzahlen zeigen, dass auch ein öffentliches Gebäude eine Persönlichkeit braucht.

www.g-schade.de

Innenarchitekten Gudrun Schade www.g-schade.de Fotos Art Photo: Anja Wozikowski mehr

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Gudrun Schade
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Fotos

Art Photo: Anja Wozikowski