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Von der Kleiderfabrik zur Kreativschmiede

Die Streitfeld Ateliers im Stadtteil Berg am Laim

„Dieses Haus hat uns gefunden“, sagt Susanne Flynn, Vorstandsmitglied der neu gegründeten... mehr
„Dieses Haus hat uns gefunden“, sagt Susanne Flynn, Vorstandsmitglied der neu gegründeten Künstlergenossenschaft KunstWohnWerke, die sich das Ziel gesetzt hat, bleibenden Arbeits- und Wohnraum für Künstler in München zu schaffen. In dieser Stadt, in der die Mieten selbst für Normalverdiener allmählich unerschwinglich werden, finden Künstler oft nur in Industrie­brachen temporäre Arbeitsmöglichkeiten für teures Geld.

Das erste Projekt der KunstWohnWerke ist nun eine aufgelassene Kleiderfabrik in der Streitfeldstraße im Stadtteil Berg am Laim. Als den KunstWohnWerken dieses Objekt angeboten wurde, zögerten sie nicht lange. Sofort war klar, dass es sich bei diesen eher unansehnlichen Gebäuden um qualitätsvolle Architektur handelte, die zum Abreißen zu schade und zur Umnutzung perfekt geeignet war. Der fünfstöckige Verwaltungsbau vorne an der Straße war in den 70er-Jahren von Prof. Paolo Nestler erbaut worden - einem renommierten italienischstämmigen Architekten, der sich in München niedergelassen hatte und auch einen Lehrstuhl an der Akademie der Künste innehatte. Eine Betonburg ist es trotzdem, Stahlbetonstützen und Kragarme dominieren das Fassadenbild - eben ein Gebäude im Stil der architecture brut, wie sie damals gang und gäbe war. Der dahinter liegende, vierstöckige Fabrikbau nach einem Entwurf des Architekten Gottfried Münzel, stammt aus den 60er-Jahren.
Augenfälligste Neuerung ist die Veränderung der Fassade: Die Waschbetonteile wurden abgenommen und durch hochwärmegedämmte Holzfassadenelemente mit Lärchenstulpschalung ersetzt. Die alten Fensterbänder wurden mit Dreifachverglasung modernisiert. Mit den Umbau- und Sanierungsplanungen wurde das Büro Holzfurtner & Bahner beauftragt. „Es ist nicht unser Ziel gewesen, dem Gebäude ein neues Erscheinungsbild zu geben - Qualität erhalten und nicht zerstören, lautet die Devise“, war Holzfurtners Herangehensweise an diese Aufgabe.

Die Etagen des Vordergebäudes mit einer Grundfläche von jeweils ca. 450 m2 eigneten sich hervorragend zur Aufteilung in Ateliers - mit oder ohne Wohnen. Insgesamt leben und arbeiten inzwischen 50 Künstler hier, die Mischung könnte bunter und vielfältiger nicht sein: Maler, Bildhauer, Musiker, Fotografen, ein Hörbuch-Verlag, Architekten und noch viele andere Künstler und Kreative haben hier ein Quartier gefunden. Die Genossenschaft hat die Immobilie aus eigenen Mitteln finanziert. 2,5 Millionen Euro für den Erwerb und noch einmal so viel für den Umbau mussten aufgetrieben werden. Der Großteil der Umbauarbeiten wurde in Eigenleistung der Nutzerinnen und Nutzer erbracht.

Im Vordergebäude sind nun neben den Ateliers und Wohnungen eine Gästewohnung und ein Gemeinschaftsraum im Dachgeschoss untergebracht. Das Rückgebäude mit seinen stützen­freien Etagen und seinen Betonrippen-Decken ist bis auf den Dachaufbau saniert, auch hier sind schon etliche Ateliers und Werkstätten bezogen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Veranstaltungsraum, in dem Ausstellungen gezeigt werden können, Filme vorgeführt, Lesungen veranstaltet oder einfach nur gefeiert werden kann.

www.kunstwohnwerke.de
www.holzfurtner-bahner.de
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Architektur
Holzfurtner und Bahner Dipl.-Ing. Architekten und Stadtplaner GbR
www.holzfurtner-bahner.de Fotos
Tom Garrecht
http://tomgarrecht.de