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Selbstbewusste Bescheidenheit

Ein unterirdisches Museum für die ägyptische Kunst

Versteckt unter einer Wiese liegt das neue ägyptische Museum an der Gabelsbergerstrasse. Der... mehr
Versteckt unter einer Wiese liegt das neue ägyptische Museum an der Gabelsbergerstrasse. Der Kölner Architekt Peter Böhm, einer der Söhne des Architekten und Bildhauers Gottfried Böhms, hat sich diesen besonderen Entwurf einfallen lassen und konnte mit dem Doppelprojekt Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film und Ägyptisches Museum den Wettbewerb gegen 37 andere Architekturbüros für sich entscheiden.

Das Besondere an Böhms Lösung ist, dass er den Mut hatte, sich mit dem Gegenüber, der Alten Pinakothek von Leo von Klenze, in Konkurrenz zu begeben. Der massive Bau der Hochschule nimmt die Maße von Klenzes Bau-Ikone in der Länge und in der Höhe (150m lang/40m hoch) auf und bildet einen neuzeitlichen, heutigen, von der Kubatur her gleichen Baukörper. Peter Böhm: „Konkurrenz habe ich da nie empfunden. Mein Entwurf war ja der einzige, der eine durchgehende Stadtkante hatte, im Gegensatz zu allen anderen, die das Museum und die Hochschule nebeneinander gestellt hatten - das hätte Klenze sicher gut gefallen.“

Böhm hat diesen Riegel 30 Meter von der Straße zurückversetzt positioniert, um unter der davor liegenden Grasfläche Platz für sein unterirdisches Museum zu schaffen. Eine 17 Meter hohe freistehende Portalwand ist der Hochschulfassade vorgelagert und markiert unübersehbar den Eingang. Bereits hier am Portal beginnt die Inszenierung: Eine breite, sacht abfallende Treppe, eher eine Rampe, führt vier Meter in die Tiefe auf das vergleichsweise kleine, in das Portal eingeschnittene Tor zu, das in das Foyer mit Auditorium, Shop, Toiletten und Garderobe im 1. Untergeschoss führt. Von hier gelangt man über eine schmalere Treppe, die noch einmal ein Höhenniveau von vier Metern überbrückt, in das 2. Untergeschoss zu den Ausstellungsräumen. Acht Meter unter der Erde - wo einst - man mag sich das kaum noch vorstellen - Hitlers Bunker lag, den man nur mühsam wegsprengen konnte.

Im Innern steigert sich die Spannung noch weiter: Das Raumprogramm folgt einer Dramaturgie, für die Böhm sich von ägyptischen Tempelanlagen, wie etwa Karnak oder von alten vietnamesischen Tempeln hat inspirieren lassen. Durch eine in den Rasen eingeschnittene Öffnung dringt Licht nach unten in einen ersten Säulenhof. Hier sieht man in den Hof der zweiten Säulenhalle und erst dann kommt man in den Ausstellungsbereich, wo mal quadratisch, mal länglich, ganz verschiedene Räume in unterschiedlichen Proportionen folgen und auch ab und zu einen Blick nach draussen ermöglichen. Der Übergang von einem Raum zum anderen wird jeweils thematisiert. „Die Folge aus Räumen, die immer wieder neue Qualitäten schaffen und wo das Betreten und das Verlassen eines Raumes immer wieder zum Thema gemacht wird, ist das eigentliche Konzept der Inszenierung“, erläutert Böhm. Für seine ,Säulenhallen‘ verwendet Böhm dreieckige Betonpfeiler. „Durch die dreieckige Form, wirkt das von der Seite manchmal so, als würde die Masse sich auflösen.“, schwärmt der Architekt. Am Schluss des Rundgangs führt eine Treppe wieder hinauf ins Foyer.

Die Highlights der Dauerausstellung werden künftig auf 1.800 m2 Ausstellungsfläche gezeigt, 400 m2 kommen noch für Sonderausstellungen hinzu. Die Gesamtbestände kann man dem Publikum nach wie vor nicht zugänglich machen, aber von diesen 8.000 Objekten können nun 2.000 gezeigt werden, immerhin doppelt so viele, wie zuvor in den alten Räumen der Residenz, die immer nur als Provisorium gedacht waren.

www.boehmarchitektur.de
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Architekturbüro Paul Böhm
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Fotos

Dieter Leistner SMAEK / Marianne Franke Ulrich Schwarz
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