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Der Trick mit dem Knick

Gelungene Bürohausumgestaltung im Wiesenviertel

Vermutlich bedarf es keiner weiteren Erläuterung, wo sich das Wiesenviertel befindet: Zusammen... mehr
Vermutlich bedarf es keiner weiteren Erläuterung, wo sich das Wiesenviertel befindet: Zusammen mit der wegen des Bierfestes weltbekannten Theresienwiese bildet das sich östlich anschließende Villenviertel ein unter Ensembleschutz stehendes Wohnquartier. Direkt am ‚Wiesen’-Rand, am Bavariaring, stand seit Mitte der 70er-Jahre ein Bürogebäude von Kurt Ackermann, das über die Jahre sanierungsbedürftig geworden war.

Der Architekt Andreas Ferstl hatte als verantwortlicher Partner von Muck Petztet und Partner Architekten den Wettbewerb zur zeitgemäßen Umgestaltung des Gebäudes gewonnen. Bei dieser Transformation gelang Erstaunliches: Das Bestandsgebäude mit seinem metallenen Zeltdach und seiner vorgehängten kleingerasterten Fassade hatte zwischen den verputzten Villenfassaden wie ein Fremdkörper gewirkt, der sich in diese Gegend verirrt hat. Die Neuinterpretation der Fassade, die in eine Lochfassade mit verschiedenen Fenstergrößen umgewandelt wurde, passt sich trotz ihrer massiven Fassadenprofile erstaunlich gut ihrer Umgebung an, wie man besonders gut sehen kann, wenn man in die Straßenflucht schaut. Die eigenwillige trapezförmige Kubatur des Gebäudes folgt der Grundstücksform, die durch die sternförmig vom Esperantoplatz abgehenden Straßen und die hier schräg abzweigende Kobellstraße entsteht. Während die Intention des alten Gebäudes wohl ein filigranes Erscheinungsbild gewesen sein mag, ist das neue wesentlich robuster – doch paradoxerweise fügt es sich deutlich besser in sein Umfeld ein. Der Clou sind die räumlich geknickten Betonfertigteile, die aus einem speziellen Glasfaserbeton gefertigt wurden. Durch den optischen Trick des Knicks täuschen sie eine tiefere Laibung vor als sie tatsächlich haben. Somit gleichen sie sich in der Fernwirkung im Kontext den tief liegenden Fensteröffnungen der Nachbarhäuser an – der Eindruck eines Fremdkörpers ist verschwunden.

Auch das Gebäudeinnere hat sich gewandelt – bis auf die beiden Dachgeschosse, die unverändert blieben. Das halb im Boden abgesenkte Erdgeschoss wurde zu einem Konferenz- und Veranstaltungsraum, der durch eigens entwickelte und schallschluckende Vorhänge beliebig unterteilbar ist. Die Bürogeschosse wurden weitgehend entkernt. Aus den innenliegenden düsteren Fluren mit den davon abgehenden Einzelbüros wurden großzügige offene Grundrisse mit wenigen abgeteilten Einzelräumen, Konferenz- oder Aufenthaltsräumen. Lediglich die alten Betonstützen blieben erhalten. Sie wurden gebürstet und passen nun wunderbar zu der neuen Umgebung. Der Bodenbelag ist ein türkisfarbener Teppich. Farblich dazu passend sind auch die Toiletten mit kleinen mosaikartigen Retro-Kacheln ausgekleidet.

Eine weitere Besonderheit ist das komplett erhaltene Treppenhaus, an dem nichts verändert wurde – weder der Boden aus Spaltklinker, noch die gläserne Brüstung oder die schwarzen Handläufe. „Das ist das Spannende am Bauen im Bestand,“ so erläutert Andreas Ferstl, „es geht darum, Entwürfe zu machen, bei denen das Alte mit dem Neuen wie selbstverständlich funktioniert.“ Das ist gelungen – klug ausgedacht und vorbildlich umgesetzt. Der Hausherr, der Verband des Bayerischen Baugewerbes, kann stolz auf sein neu-altes Domizil sein.

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Architekten: Andreas Ferstl Architekten www.a-f-a.de Fotos: AFA / MPA mehr

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Andreas Ferstl Architekten
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