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Urbanes Leben am Rande der Welt

Wie moderne Architektur Grönland verändert

Beim Gedanken an Grönland denkt man zuerst an weite Landschaften, geprägt von Eis und Schnee.... mehr
Beim Gedanken an Grönland denkt man zuerst an weite Landschaften, geprägt von Eis und Schnee. Aber es gibt auch ein urbanes Grönland. Die Städte des dünnbesiedelten Inselstaates liegen an den Küsten, vor allem an der Westküste, die ganzjährig eisfrei ist. Nuuk, die älteste und größte Stadt Grönlands ist die Hauptstadt. Gut 15.000 der insgesamt 55.000 Einwohner leben hier. Die gesamte riesige Insel verfügt über nur 120 km Strassen. Nahezu alle Wege werden mit dem Schiff, dem Flugzeug oder dem Hundeschlitten zurückgelegt. Die isolierte Lage der einzelnen Orte führt zu einer zunehmenden Landflucht und einer von der Regierung geförderten Urbanisierung und Verdichtung.

Die herkömmliche Siedlungskultur ist ganz anders, die alten Inuit wohnten in Torfhütten, in Zelten und ab und zu im Iglu. Die Baumaterialien waren Treibholz, Knochen und Fell. Hans Egedes Ankunft in Grönland 1721 markiert den Beginn des Kolonialstils, Holzhäuser aus Skandinavien wurden als Tischler-Bausets nach Grönland geschickt. Die Tradition der charakteristischen, bunten Häuser wurzelt hierin. Die Farben symbolisierten die Funktion: Die Handelshäuser waren rot, die Krankenhäuser gelb, die Polizeiwachen schwarz, die Telefongesellschaft grün und die Fischfabriken blau.

Bunte Farben und kleinteilige Bauweise prägen Grönland bis heute, selbst die größeren Wohnblöcke, die seit den 1960er Jahren im Stil des skandinavischen Funktionalismus errichtet wurden, greifen diese Farbigkeit auf. Seit knapp zwei Jahrzehnten entsteht eine neue, moderne Architektur mit eigenständiger, oft auf die Natur Grönlands bezogener Formensprache. Insbesondere das renommierte dänische Büro Schmidt Hammer Lassen hat einige dieser Gebäude in Nuuk errichtet, die CUBE hier vorstellt.

Die 12-geschossigen Zwillingstürme sind ein gutes Beispiel für die städtebaulichen Vorstellungen und architektonischen Ansprüche des neuen Grönlands. Zwei voneinander abgesetzte Teile grenzen an einen lichtdurchfluteten gemeinsamen Eingangsbereich mit Treppe und Lift, der sich wie ein Keil zwischen die beiden massiven Baublöcke schiebt. Während man sich durch das Gebäude bewegt, geniesst man durch die Glasfassaden den Ausblick auf die Landschaft. Die Wohnungen sind groß und hell, Küche und Wohnzimmer gehen ineinander über, geschoßhohe Fenster bieten grandiose Ausblicke.

Auch das Doppelhaus für zwei Familien reagiert mit seinem scharf geschnittenen Baukörper und der abfallenden Fassade auf die geologischen Formationen und die extremen klimatischen Bedingungen Grönlands. Ein einziger offener Raum mit einem Kern für die Nebenräume interpretiert die traditionelle grönländische Kultur des Familienlebens auf zeitgemäße und energieeffiziente Weise.

Die Erweiterung der bestehenden Schule für Krankenpflege und Gesundheitswesen umfasst zwei neue Flügel. Das gesamte Gebäude wird von Glas und Holz dominiert, Holz nimmt Bezug auf das traditionelle grönländische Baumaterial, während Glas das moderne europäische Baumaterial repräsentiert: Tradition und Moderne, Grönland und Europa, in einem Gebäude verwoben.

Das mehrfach ausgezeichnete Kulturzentrum ist von Grönlands dramatischer Naturkulisse aus Eisbergen, Schneefeldern und Bergen inspiriert. Das kompakte und dunkle Gebäude ist von einer zweiten Schicht, einer fließenden, gewellten Hülle aus goldenem Lärchenholz umgeben, das eine architektonische Metapher des die Berge Grönlands umspielenden Nordlichts darstellt. Das Foyer ist ein innerer öffentlicher Stadtplatz, von dem aus das Fernsehstudio, der Restaurantbereich und das Vielzweck-Auditorium mit 550 Sitzplätzen erreicht werden kann. Das Kulturzentrum ist ein wichtiger Treffpunkt für alle Inuit der nördlichen Hemisphäre.

Nuuks Schwimmbad Malik gilt als das schönste Schwimmbad in den nordischen Ländern. Es wurde vom grönländischen Architekturbüro Tegnestuen Nuuk entworfen. Das wellenförmige Dach spiegelt den grönländischen Namen des Gebäudes wieder, denn Malik bedeutet Welle. Eine ambitionierte Stahlkonstruktion überspannt die Wasserbecken, Sport- und Ruhebereiche. Beim Schwimmen haben die Badegäste einen einzigartigen Ausblick auf den Fjord und die Berge, die sich direkt vor den enormen Panoramafenstern erstrecken.

Das Einkaufszentrum in Nuuk stammt vom dänischen Büro KHR Arkitekter. Es ist mit über 13.000 m² Fläche das größte Gebäude Grönlands. Über dem eigentlichen Einkaufszentrum mit 25 Geschäften und Restaurants erhebt sich der 8-stöckige Turm mit Büroflächen. Auf der Architekturbiennale in Venedig haben Architekten aus Grönland 2012 zusammen mit dem Dänen Bjarke Ingels ihre Ideen für eine Zukunft Grönlands unter dem Titel „Possible Greenland“ präsentiert. In den letzten Jahren haben einige Architekturwettbewerbe mit internationaler Beteiligung statt gefunden. Peter Zumthor aus der Schweiz entwirft das kommende Besucherzentrum am Ilulissat-Eisfjord. Die dänische Bjarke Ingels Group ist Sieger für den Entwurf der zukünftigen Nationalgalerie des Landes in Nuuk.

www.shl.dk
www.tenu.gl
www.khr.dk