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Licht ist Lebensqualität

Ein Gespräch mit dem Lichtplaner Jürgen Klensang

CUBE: Was muss Licht, abgesehen von der ursprünglichen Funktion des Leuchtens, heutzutage im... mehr
CUBE: Was muss Licht, abgesehen von der ursprünglichen Funktion des Leuchtens, heutzutage im Allgemeinen können?

Jürgen Klensang: Licht ist mehr als Überschaubarkeit und Orientierung. Licht ist Lebensqualität, es ist ein entscheidender Faktor, ob wir uns in einem Raum wohlfühlen. Je nachdem was das Auge für eine Helligkeit und Lichtfarbe wahrnimmt, hat dies auf unseren Körper unterschiedliche Wirkungen. Licht beeinflusst unser Wohlbefinden und damit direkt auch unsere Gesundheit.

Kabellose Lichttechnik ermöglicht es uns, portabel das Licht dort anzuwenden, wo wir es gerade benötigen. Lässt dies zukünftig auf einen anderen Umgang mit Gewohnheiten schließen?

Ja, auf jeden Fall. Probleme, wie ein zu kurzes Stromkabel oder keine Steckdose in der Nähe, werden durch die neuen Akkuleuchten im Handumdrehen umgangen. Ob als Stimmungslicht auf der Terrasse, einer Leseleuchte, die vom Sessel mit zur Couch wandert oder kompaktes Leselicht, was sich in die Hosentasche stecken lässt – die richtige Akkuleuchte begleitet den Anwender überall hin. Das „Licht zum Mitnehmen“ wird von immer mehr Herstellern in das Sortiment aufgenommen. Und so ist auch absehbar, dass der Umgang mit Licht und Akzentbeleuchtung einen Wandel eingeht. Ähnlich wie bei der Öllampe früher werden Nutzer sich an der unkomplizierten und ungebundenen Nutzung erfreuen.

Kreatives Licht gepaart mit raffinierter Lichttechnologie verändert die Art und Weise, wie wir Licht wahrnehmen und verwenden. Wohin wird die Technik von LED und OLED gestalterisch führen?

Licht ist viel mehr als nur die Zusammensetzung aus Leuchtmittel und Leuchte. Vor allem mit der neuen Technologie der OLED scheinen viele Probleme behoben: Die OLED steht für minimalen Stromverbrauch, geringe Wärmeentwicklung sowie schönes und gleichmäßiges Licht. Wir erleben es bei der Planung immer häufiger, dass gut informierte Kunden die innovative LED Technik als das Leuchtmittel für ihr Zuhause einsetzen möchten. Im gestalterischen Hinblick sind durch die LED und die OLED neue Ansätze der Planung möglich geworden. Gerade bei der indirekten Beleuchtung oder Licht als gestalterisches Mittel kommt es durch die vorher schon thematisierte äußerst flache Bauweise zu neuen Möglichkeiten. Für die Zukunft sind gerade durch die OLED, die sich wie ein Baustoff in andere Materialien einfügen lässt, Szenarien wie z. B. leuchtende Fensterlaibungen denkbar und bieten ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten.

Angenommen Sie müssten ein Einfamilienhaus planen. Welches Lichtkonzept empfehlen Sie, wenn Inneneinrichtung, Farbe und Tageslichtverlauf in Verbindung gebracht werden?

Jeder Bauherr hat eine Vision für sein Zuhause. Wir möchten diese Vorstellung mit Licht und Schatten unterstreichen und die Räume durch individuelle Lichterlebnisse gestalten. Bei der Planung von Lichtpunkten und -szenen achten wir besonders auf die Harmonie zu dem Gegebenen, also der Inneneinrichtung, Farbe und dem Tageslichtverlauf. Durch ein geplantes Lichtkonzept werden einzelne Räume zu einem Erlebnis. Allgemein gilt es, die richtigen Faktoren einer Beleuchtung für den Raum zu finden und sie in ein harmonierendes Gesamtkonzept zu bringen. Zum einen Licht zum Sehen, also das allgemeine Licht. Betritt man einen Raum schaltet man es oft als erstes ein. Doch dieses Licht alleine lässt einen Raum oft eindimensional wirken. Daher gibt es außerdem Licht zum Hinsehen. Gemeint ist hierbei Licht, dass einen Bereich gebündelt beleuchtet wo wir uns konzentrieren, wie etwa einen Esstisch oder auch der Arbeitsplatte. Was nicht fehlen darf ist Licht zum Ansehen. Hierbei handelt es sich um eine Designerleuchte, die gleichzeitig als Kunstwerk beeindruckt. Jedes Einfamilienhaus ist so verschieden wie die Bewohner, die in ihm leben. Und so ist es auch mit dem Lichtkonzept. Wir haben Leitfäden und Erfahrungen, an denen wir uns orientieren. Aber schlussendlich wird jedes Lichtkonzept verbunden mit einer intelligenten Steuerung individuell an den Nutzer und dessen Wohnstil angepasst und ist daher auf seine Art einzigartig.

Wie stellen Sie sich hinsichtlich Beleuchtung das Haus der Zukunft vor, wo liegt der Mehrwert von Licht?

Die technologische Entwicklung setzt momentan immer größere Maßstäbe für das zukünftige Leben. Das Autonome Fahren ist schon lange nicht mehr der einzige Punkt an dem Forscher arbeiten. Im Haus der Zukunft sehe ich verschiedene Endgeräte der Beleuchtung, die ihren Bewohner buchstäblich auf Knopfdruck in seinem Alltag begleiten. Wie auch immer diese künstliche Intelligenz aussehen und funktionieren wird – lernt sie den Tagesrhythmus des Benutzers kennen und passt sich diesem an, oder sie hat Zugriff auf die Gesundheitsanalyse und kann je nach Befinden interagieren – es wird eine neue Organisation in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Haus der Zukunft geben. Ich kann mir durchaus ein autonomes Lichtsystem im Haus der Zukunft vorstellen, was den Lebensrhythmus des Menschen unterstützt. Aber ganz ohne das Altbewährte ist es für mich bisher undenkbar. Der Mehrwert des Lichts im Haus der Zukunft ist definitiv gegeben. Denn wie auch schon zuvor erwähnt wirkt sich das Licht auf den Körper aus und ist in der Lage Emotionen und Wohlbefinden zu schaffen. Aber auch die Art und Weise der Beleuchtung wird sich sicher weiterentwickeln. Das Thema OLED wird im Haus der Zukunft sicher schon in der kommenden Zeit neue Wege eröffnen und uns Licht neu erleben lassen.

Herr Klensang, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Jürgen Klensang

Fasziniert von den vielen Möglichkeiten im Bereich Lichtplanung, gründete der Elektroingenieur Jürgen Klensang vor mehr als 25 Jahren das Unternehmen lucente-Lichtplanung. Ein Team aus Architekten und Ingenieuren erstellt individuelle Lichtkonzepte.