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Geglückte Gratwanderung

Ein Bunker wird zum zukunftsfähigen Wohnhaus

Es gibt noch immer mehrere Hundert Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg. Mitten in... mehr

Es gibt noch immer mehrere Hundert Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg. Mitten in Ottensen steht der 1942 errichtete, siebengeschossige Hochbunker im gemischt gewerblich genutzten Innenhof einer Blockrandbebauung mit gründerzeitlichen Wohnhäusern entlang der Friedensallee. Ein Abriss war schon wegen der Lage keine Option. Ziel des Architekten Björn Liese war, ein funktionales, flexibles und energieeffizientes Wohngebäude zu entwickeln und dabei den besonderen Gebäudecharakter zu erhalten. Aufgrund der beengten Verhältnisse – der Bunker ist nur über eine schmale Durchfahrt zwischen zwei Gründerzeithäusern zu erreichen – und einer nicht gesicherten Erschließung des Grundstücks war das Bauvorhaben mit seinen schweren Abbruch- und Umbauarbeiten nur in enger Abstimmung mit den Anrainern möglich.

Zuerst wurden in die meterdicken, massiven Außenwände des Bunkers vertikale Fensterbänder eingeschnitten und das Gebäude vollständig entkernt. Anschließend wurde die neue Gebäudestruktur implantiert und die Bestandsaußenwände mit einer neuen Gebäudehülle energetisch ertüchtigt. Das historische Bauwerk bleibt dennoch durch die stets präsenten Außenwände aus rohem Beton erlebbar. Insbesondere im Inneren sind der Bestand, die Spuren der Umwandlung und die Schnittstellen zwischen Alt und Neu weiterhin sichtbar.
In den Erschließungsbereichen und zum großen Teil auch in den Wohnungen wurden sowohl alte als auch neue Betonwände und -decken materialsichtig belassen bzw. ausgeführt. Von den sieben Vollgeschossen sind fünf als Wohnebenen als Zwei- bis Vierspänner konzipiert. Insgesamt 15 Eigentumswohnungen bieten Wohnflächen von 44 bis 127 m². Die Grundrisse erlauben unterschiedliche Raumkonfigurationen und organisieren sich dabei um innenliegende Kernzonen. Einzelne Wohneinheiten lassen sich flexibel teilen oder zusammenschließen. Einen weiten Blick über die Stadt können alle Bewohner von der 220 m² großen Terrasse mit Gemeinschaftsgarten genießen.

Das Gebäudetechniksystem arbeitet komplett CO₂-neutral. Der Wärmebedarf des nach EnEV 2014 ausgelegten Gebäudes wird von einer mit Ökostrom betriebenen Wärmepumpe gedeckt. Ein Solar-Eisspeicher dient als saisonaler Energiespeicher für den Betrieb der Wärmepumpe und sorgt auch für die sommerliche Kühlung des Gebäudes. Die Energieeffizienz wird über die Wärmerückgewinnung aus der Wohnungsabluft zusätzlich verbessert.

www.bjoernliese.de

Fotos:

Roland Borgmann
www.rolandborgmann.com

(Erschienen in CUBE Hamburg 04|20)

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