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Aussichtsturm mit Industriecharme

Das Oosten an der Ruhrorter Werft bietet vielfältige Ausblicke auf die Stadt

Anfang der 1990er Jahre maß der Mainuferpark gerade einmal dreieinhalb Kilometer. Heute ist der... mehr
Anfang der 1990er Jahre maß der Mainuferpark gerade einmal dreieinhalb Kilometer. Heute ist der Streifen am Fluss, an dem es sich so schön flanieren lässt, mehr als doppelt so lang. Auf dem Weg zur Osthafenbrücke, direkt gegenüber dem EZB-Neubau liegt das Oosten. In seinem Namen trägt es den Zusatz „Realwirtschaft“: Bodenständigkeit soll mit einem Augenzwinkern gegenüber den Stein gewordenen Träumen der Finanzwelt ausgedrückt werden. Der Ort scheint dafür wie gemacht: Eine alte Kranbahn, mit der früher die Kohle aus den Binnenschiffen entladen wurde, ist auf dem Hochkai der einstigen Ruhrorter Werft stehen geblieben. Unmittelbar daneben haben die Darmstädter Architekten Schubert & Seuß einen kubischen Baukörper platziert, der mit seinen drei umseitig vor- und zurückspringenden Etagen einen neuen kraftvollen „Stapel-Akzent“ am Mainufer setzt.

Drei Bewirtungsbereiche auf drei Ebenen hatte der Bauherr für das Bauwerk, das auf einem Pachtgrundstück entstanden ist, vorgegeben. Um auch für Events und Vermietungen gerüstet zu sein, sollte jede von ihnen unabhängig genutzt werden können. Zudem wünschte er sich für jede Ebene einen attraktiven Außenbereich. Unter dem alten Platanenhain, der auf dem Grundstück erhalten werden konnte, sollte zudem ein Self-Service-Bereich entstehen. Die neue Gastronomie wollte so flexibel wie möglich auf die besondere Lage am Wasser, inmitten der nachindustriellen Stadt- und Flusslandschaft reagieren.

Der Entwurf der Architekten, der 2010 als Sieger aus einem Planungswettbewerb hervorging, nähert sich dem industriehistorisch geprägten Standort mit dem Thema der Inszenierung offener „Bühnen“. Es entsteht ein Bauwerk, das auf drei Niveaus „Bühnen“ für seine Besucher schafft. Viel Wert wurde bei der Ausrichtung der Ebenen darauf gelegt, dass sich die Ruhrorter Werft als geschichtsträchtiger Ort im Frankfurter Osthafengebiet erleben lässt. Den Architekten ging es darum, weniger das Gebäude an sich, als das besondere Umfeld, in das sich der Bau einfügt, zu inszenieren. Die Fassade aus gebürstetem Aluminium, die Wände aus rauem Sichtbeton, die Stahltüren und der geschliffene Industrieestrich unterstreichen diese Idee. Bewusst wurden Materialien ausgesucht, die den Industriecharakter des Ortes widerspiegeln.

Dank des hohen Anteils an transparenter, teilweise auch transluzenter Verglasung kann der Blick des Besuchers in ganz unterschiedliche Richtungen schweifen. Zwischen Innen- und Außenraum entstehen fließende Übergänge. In der warmen Jahreszeit lassen sich die raumhohen Fensterelemente großflächig öffnen und die Räume verbinden sich zu einem gemeinsamen Außenraum. Die teilweise überdachten, teilweise offenen Terrassen bieten gute Nutzungsmöglichkeiten für Sonnen- wie für Schattenfreunde, für gutes wie für schlechtes Wetter. Ein besonderes Bonbon des Dachgeschosses ist der niveaugleiche Abschluss mit der öffentlich zugänglichen Besucherplattform der Krananlage. Eine besondere funktionale Symbiose wird dadurch hergestellt: Das neue Bauwerk scheint geradezu direkt auf das alte bezogen zu sein. Aber auch über die Ruhrorter Werft hinaus ergeben sich von den Terrassen aus spektakuläre Ausblicke: Von der östlich gelegenen Eisenbahnbrücke über den Main im Süden, die Skyline Frankfurts im Westen bis hin zum zukünftigen EZB-Standort im Norden – das Oosten holt sich die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt auf die Terrasse.

www.schubert-seuss.de
www.oosten-frankfurt.com
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Schubert und Seuss
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Fotos

Dominik Peter
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