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Raues Fabrikambiente recycled

Die Rote Halle in Düsseldorf-Derendorf

Die Rote Halle, 2006 von Thomas Pink umgebaut und als Standort internationaler Modeagenturen... mehr
Die Rote Halle, 2006 von Thomas Pink umgebaut und als Standort internationaler Modeagenturen revitalisiert, ist kein Gebäude, das sich auf den ersten Blick erschließt. Nach außen wirkt der hinter einem alten Verwaltungsbau an der Rather Straße versteckte Bau immer noch wie die Fabrikhalle von 1912, überlagert von vielen Zeitspuren und einem rauen Fabrikcharme. Um genau diesen Eindruck zu bewahren, wurde bei der Restaurierung des lange abrissgefährdeten, in Teilen bereits fragmentierten Bauwerkes so behutsam wie möglich verfahren: Entgegen der gängigen Sanierungspraxis wurde die verwitterte Eingangsfassade aus Backstein nicht etwa gesäubert, sondern in ihrer ganzen ausdrucksvollen Patina belassen. Bruchstellen im Mauerwerk wurden nach Originalplänen restauriert, die eingefügte Eingangstür mit Kupferbeschlägen versehen. Die vom Glas befreiten Fenster verwandelten die Architekten mittels Metallnetzen aus oxidiertem Corten-Stahl in witterungsoffene Belüftungsmembrane. Auch die Seitenfassaden, die neue Fensteröffnungen hineingemeisselt bekamen, atmen diesen authentischen Geist: Nachgerüstet mit einer Dämmschicht, wurden sie wieder genauso glatt verputzt und im selben braunen Rotton gestrichen, der schon früher der Halle ihren Namen gegeben hatte.

Die behutsam geflickte, geradezu zur Spurensuche einladende Außenhaut steht im spannungsvollen Kontrast zum neuen Innenleben des Gebäudes. In den entkernten, von zwei langen Tonnendächern überwölbten Raum wurden zwei neue Geschossdecken eingefügt – teilweise auf 22 cm starken Stahlstützen, teilweise auf Konsolen in der alten, zwischenzeitlich durch gewaltige Betonpfeiler und -unterzüge verstärkten Tragstruktur der Außenmauern. Mit technischer Raffinesse wurden dabei die statischen Knicklasten, die auf den Außenmauern liegen – die sich geradezu im Wortsinne „einknicken“ lassen – auf die neue innere Tragstruktur umgeleitet: Druckstäbe aus Stahl entlasten das alte Tragwerk am Kopfpunkt des Tonnengewölbes und leiten die Kräfte über die Stützen direkt in den Boden ab.

Großen Wert wurde darauf gelegt, dass die Räume eine natürliche Belichtung und Belüftung sowie als Wohlfühlfaktor und Sichtschutz Bambusgrün erhalten. Zugleich ging es darum, die eindrucksvolle historische Außenhülle in ihrer ganzen fragilen Ingeniösität präsent zu halten. Um das zu erreichen, integrierte man die Geschosse so, dass in den durchfensterten Randzonen der Eingangs- und Rückfassade, aber auch in der zentralen Eingangsachse deckenhohe Lufträume entstanden, die auf direkte Tuchfühlung mit dem Außenraum gehen. Beim zentralen Atrium wurde dafür sogar auf Oberlichter verzichtet: Wie in einer römischen Villa sind die in das Dach eingeschnittenen Öffnungen Wind und Wetter ausgesetzt. Gleichzeitig reaktivierte man die Öffnungen in den alten Tonnengewölben: Als gläserne Spitzdächer ausgestaltet lassen sie die beiden oberen Etagen besonders lichtdurchflutet erscheinen. Dabei sorgt eine motorgesteuerte Klappenautomatik dafür, dass die Abluft, die durch die direkte Sonneneinstrahlung entsteht, jederzeit nach außen entweichen kann.

Natürlich konnte der neue, dem Außenraum gegenüber offene Kern nicht ohne eine zweite Innenhaut bleiben: Die Architekten bildeten die Innenfassade aus einer seriell ausgeführten Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz, wobei sich die vertikalen Fensterelemente zu den Lufträumen punktuell öffnen lassen. Erschlossen sind die drei Geschosse, die sich drei Modeagenturen teilen, durch ein zentrales rückwärtiges Treppenhaus. Um die interne Kommunikation zwischen den einzelnen Gebäudeebenen zu fördern, wurden zusätzlich mehrere, mitunter gegenläufige Zwischentreppen aus Stahl eingezogen. Aber auch das Energiekonzept sollte innovativ sein: Für die richtige, der Jahreszeit angemessene Raumtemperatur sorgt eine thermische Betonkernaktivierung in den Stahlbetondecken. Je nach Jahreszeit können die Innenräume so über eine Wärmepumpe beheizt oder durch Wasser gekühlt werden.

Das Ambiente der bis zu 3,37 m hohen Innenräume ist durch das spannungsvolle Wechselspiel von altem Bestand und neuem Kern geprägt. Die graue Farbgebung der Innenprofile, die Textur der Sichtbetonwände und der Stützen sowie das industrielle Finish von Stahltreppen und Magnesit-Estrich stehen dabei in einem ausgeprägten Kontrast zum rauen Charme der Halle, deren Hülle von innen lediglich gesäubert wurde. Farbige Akzente setzen in diesem Spiel das Grün und – nicht zu vergessen – das Prêt-à-Porter der Nutzer, das vor dieser Kulisse besonders „Handmade“ wirkt. Mit vergleichsweise geringem Materialaufwand und einem ausgeklügelten, im besten Sinne radikalen Konzept ist es gelungen ein schon aufgegebenes Bauwerk nachhaltig zu reaktivieren und mit einem feinen Gespür für das Vorhandene zu transformieren.

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Frank Wurzer
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