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OFFEN FÜR RAUMERLEBNISSE

Die Villa am Rhein vereint Transparenz und Intimität

Nördlich von Düsseldorf gelegen, befindet sich das „Haus am Rhein“ leicht erhöht auf dem Kamm... mehr
Nördlich von Düsseldorf gelegen, befindet sich das „Haus am Rhein“ leicht erhöht auf dem Kamm eines Deiches, der das Wohngebiet zum Rheinufervorland begrenzt. Als zwei-geschossiger kubischer Baukörper bildet der Neubau den Kopf einer linearen Kette von Einfamilienhäusern entlang einer privaten Erschließungsstraße.

Das Bauherrenpaar wünschte sich ein Haus, das viel Raum bietet, zugleich aber auch eine zurückhaltende Anmutung ausstrahlt. Es sollte lichtdurchflutet sein und das Gefühl vermitteln, im Freien zu leben. Auf der Suche nach einem Architekten, der diese Wünsche umsetzten sollte, entschied sich das Ehepaar für das Büro des Architekten Thomas Dibelius, der bereits ein Haus von Freunden geplant und gebaut hatte.

Beim Entwurf des Hauses am Rhein ließ sich der Architekt einerseits von den Fabrikantenvillen von Mies van der Rohe inspirieren, die dieser in den 20- und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auf großflächigen Grundstücken am Rande von Großstädten baute. Andererseits kommen hier auch – gerade hinsichtlich der Lage und Blickachsen – die Ideen der bis heute wegweisenden Renaissance-Villen von Andrea Palladio zum Tragen.
Die Grundform des Baukörpers ist ein einfacher Quader, der sowohl auf der Süd- als auch auf der Westseite über beide Geschosse schräg angeschnitten und als „Loggia“ plastisch herausgearbeitet ist. Durch diesen „Kniff“ bietet jeder Raum eine bessere Fernsicht – Rhein und Garten werden so an jeder Stelle im Haus zur Kulisse des Innenraums. Dementsprechend ist das Innere ganz auf die Topographie des Ortes, die spektakulären Blicke und die fließenden Raumübergänge von innen nach außen ausgelegt. Offenheit und Leichtigkeit sind die bestimmenden Themen des Objekts. Doch trotz der großflächigen Verglasungen, Balkone und Terrassen bietet das Haus eine familiäre und intime Atmosphäre und damit einen gesicherten Schutz für die Familie. Möglich wird das durch eine „Haus in Haus“-Bauweise, die vor allem das Obergeschoss, in dem sich die Privaträume der Eltern und Kinder befinden, charakterisiert.

Im Erdgeschoss liegt das Wohnzimmer, das dank einer Höhe von zwei Geschossen eine Wohnsituation mit viel Freiheitsgefühl schafft. Gleich daneben schließt sich höhenversetzt ein kleineres Fernsehzimmer an. Ebenfalls auf dieser Ebene sind die Küche und der Essraum zu finden. Neben einem Weinkeller und einer Garage umfasst das Sockelgeschoss einen großzügigen Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Fitnesszone sowie eine Einliegerwohnung, die über einen eigenen Zugang verfügt. Gerade beim Bau des Untergeschosses stellte die Nähe zum Rhein und der damit verbundene sehr hohe Wasserdruck, der bei Hochwasser von unten gegen die Sohle und die Kelleraußenwände trifft, die Architekten vor eine große baukonstruktive Herausforderung. „Besonders wenn starker Regen fällt, wird der Druck sehr hoch. Das Untergeschoss mussten wir deshalb so dicht machen wie ein U-Boot», sagt Architekt Thomas Dibelius. Um dies zu erreichen, wurde ein aufwändiges Verbundabdichtungsverfahren nach neuestem Stand der Technik eingesetzt, das auch bei höchsten Wasserständen ein wasserdichtes Sockelgeschoss gewährleistet.
Ganz den Wünschen der Bauherren entsprechend, sind die Wände in einem reinen Weiß gehalten und schaffen so einen neutralen Rahmen für Kunst, Möbel und Menschen. Im Innenbereich hat das Ehepaar gemeinsam mit einem Düsseldorfer Einrichter eine stille, zeitgenössische Komposition aus Möbeln und Kunst geschaffen. Ruhige Formen sind das Leitmotiv, während lautes Design eher zurücktritt. Passend zu diesem leisen Stil fiel im Unter- und Erdgeschoss die Wahl auf großformatige italienische Feinsteinzeugfliesen in hellbeige. Im Wohnbereich, im Obergeschoss und in der Bibliothek finden sich weiß geölte und gebürstete Eichendielen. Insgesamt wurden auf 270 m2 Eichendielen von Parkett Dietrich verlegt. Diese zeichnen sich durch eine gleichmäßige Holzstruktur und eine fein strukturierte Oberfläche aus. Die Dielen, die vier bis fünf Meter lang sind, haben fallende Breiten von 15-35 cm.

Mit dem Ziel, einen spannenden Kontrast zum reinen Weiß zu schaffen, hat jedes Zimmer eine leuchtende Kernfarbe erhalten. Ebenso kontrastierend wirken die Kunstobjekte, die verglichen mit der eher zurückhaltenden Farbwelt, interessante Akzente setzen. Neben farbenprächtigen, streng abstrakten Werken von Imi Knoebel und Per Kirkeby findet man auch Bilder von Sigmar Polke und Skulpturen von Tony Cragg. Damit trotz der Raumhöhe und der besonderen Kunstwerke keine sterile Museums-Atmosphäre entsteht, zog das Ehepaar ein Berliner Expertenteam zu Rate, das intensiv an den Schallverhältnissen arbeitete. Schließlich wurde eine aufwändige glatte Akustikdecke neuester Generation in allen Lufträumen sowie ein sehr hoher Schallschutz bei allen Glasfassaden/Verglasungen und deren Anschlüssen installiert.

Eine weitere besondere technische und gestalterische Herausforderung lag darin, ohne Einfluss auf die architektonische Gestalt des Gebäudes zu nehmen, ein nachhaltiges ökologisches Gebäudetechnikkonzept durch Nutzung regenerativer Primärenergien zu erzielen. Zum Einsatz kommen sowohl Solar- als auch Geothermie. Die Warmwasserversorgung erfolgt zu einem Großteil durch die horizontal eingebauten Solarthermiepaneele auf dem Flachdach, die Wärmeerzeugung im Winter sowie die Kühlung im Sommer durch geothermische Bohrsonden ins Grundwasser in Verbindung mit einer Wärmepumpe. Damit überzeugt das „Haus am Rhein“ nicht nur durch seine offene, die Umgebung miteinbeziehende Bauweise, sondern auch durch ein ökologisch-nachhaltiges Haustechnikkonzept.

www.dibelius-architekten.de
Fotos Carola Kohler  www.carola-kohler.de mehr