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Gewächshäuser und Orangerien

Düsseldorfer Kuppelbau für die Wissenschaft

Die Existenz heutiger Gewächshäuser haben wir eigentlich einer Mode aus der Kolonialzeit zu... mehr

Die Existenz heutiger Gewächshäuser haben wir eigentlich einer Mode aus der Kolonialzeit zu verdanken, als das Sammeln exotischer Früchte und Zierpflanzen als Statussymbol wohlhabender Gesellschaftsgruppen galt. Die Anzucht geschah in kleinen Treibhäusern – den sogenannten pinerys oder mit Glasfenstern abgedeckten Gruben. Heute dienen Gewächshäuser primär der gartenbaulichen Produktion bzw. deren Zucht oder zur Zurschaustellung in Form eines botanischen Gartens, überdies aber auch zu Forschungszwecken. Eben Letzteres war im Ursprung für den Bau des Gewächshauses des Düsseldorfer Botanischen Gartens verantwortlich und wurde nicht als Freizeitpark konzipiert, sondern in erster Linie als Arbeits- und Forschungseinrichtung für die Biologiestudenten. Das weniger für den Publikumsverkehr ausgerichtete Botanikum zählt daher mit seinen übersichtlich bepflanzen Arealen und den zuletzt bemängelten ungepflegten Zuständen nicht unbedingt zu den Besuchermagneten der Stadt.

Gegründet 1973, gehört die gesamte Anlage zur Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und zum dortigen Institut für Botanik. Ein Jahr nach der Gründung entstand in fünfjähriger Bauzeit nach den Entwürfen der Architekten Georg Lippsmeier und Partner in Zusammenarbeit mit Karl Kraß ein Gebäude mit einem geodätischen Kuppelbau von 36 m Durchmesser auf einer Grundfläche von ca. 1.000 m². Geodätische Kuppeln sind Konstruktionen mit einer Struktur aus Dreiecken, die in einem bestimmten Vermessungsverfahren errechnet werden. Das erste Gewächshaus in Form einer geodätischen Kuppel war im Übrigen das 1960 fertiggestellte Climatron im Botanischen Garten von Missouri in St. Louis.

Das Material des Düsseldorfer Kuppelgewächshauses besteht aus dreieckigen nach außen gewölbten Acrylglasplatten, die den Anschein vermitteln, dass die Fachwerkkuppel eine durchsichtige, unter Druck stehende Blase wäre. Für die Statik ist ein außen liegendes Rundstabfachwerk aus Metall verantwortlich. Im Innern befinden sich Metallstreben, die ein automatisches Öffnen einiger Fenster ermöglichen und für entsprechenden Temperaturausgleich sowie ausreichende Belüftung sorgen. Das ist auch im Wesentlichen die Baukonstruktion aller Kuppelgewächshäuser, die auf die Idee von Richard Buckminster Fuller zurückzuführen ist. Er war der Erste, der große Räume durch Stahlrohrfachwerk mit Knotenpunkten ohne innere Stützen errichtete. Die Vorteile dieser Bauweise liegen in einer größeren Stabilität, die in Anbetracht stärker werdender Stürme in Deutschland oder großer Schneelasten an Bedeutung gewinnt.

Der Kuppelgewächshausbau diente zugleich als Vorlage für die aktuell größte Botanikglasanlage der Welt. Die königlichen Gewächshäuser in Brüssel werden mit ihren 14.000 m² als „Gläserne Stadt“ bezeichnet, deren größte Kuppel eine Höhe von 25 m aufweist und von 36 Säulen getragen wird. Man möchte es deshalb nicht glauben, dass König Leopolds Prestigeprojekt nur einmal im Jahr für wenige Wochen der Öffentlichkeit zugänglich ist.