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Erinnerung an den Kalten Krieg

Teilstück des Regierungsbunkers wird Dokumentationsstätte

Tief unter den Weinbergen des Ahrtals zwischen Ahrweiler und Dernau liegt versteckt das ehemals... mehr

Tief unter den Weinbergen des Ahrtals zwischen Ahrweiler und Dernau liegt versteckt das ehemals geheimste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – der Regierungsbunker. Eingebaut in zwei ehemalige Eisentunnel einer strategischen Eisenbahnlinie, erfolgte unter der Federführung des Bundesinnenministeriums zwischen 1962 und 1971 der Ausbau zum Regierungsbunker. Unter dem Namen „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit“ entstand 110 m unter Wald und Weinbergen eine gigantische Stadt im Berg von fast 20 km Größe mit 83.000 m2 Nutzfläche. Ausgestattet mit fünf autarken Bauteilen, 897 Büro- und Technikräumen, 936 Schlafräumen, einem Friseursalon, Fernschreibzentren, Hörfunk- und Fernsehstudio sowie Krankenhäusern und Zahnarztbehandlung sollten hier 3.000 Regierungsmitglieder im Ernstfall die Regierung aufrechterhalten können.

Erst 1997 entschied das Bundeskabinett die Anlage aus der Zeit des Kalten Krieges aufzugeben. Nachdem Vermietung oder Verkauf der unterirdischen Kommandozentrale nicht zu Stande kamen, erfolgte der Rückbau des Regierungsbunkers. Von 2001 bis 2006 wurden sowohl die Außengebäude, wie das Antennenfeld und die Lüftungsbauwerke, als auch die Tunnel im Inneren, entkernt. Lediglich ein Teilstück blieb als Dokumentationsstätte Regierungsbunker im Originalzustand erhalten und gibt seit 2008 seine ehemals streng geheime Geschichte preis. Vom Tag seiner Eröffnung fand das Museum großen Publikumszuspruch. Die Besucher kommen aus der ganzen Welt, alle Altersklassen sind vertreten. Eine besondere Betreuung erfahren Schulklassen, die den Kalten Krieg nur aus Büchern kennen und denen hier Geschichte auf anschauliche Art und Weise vermittelt wird. Im Juni 2009 wurde der ehemalige Regierungsbunker mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe, dem „Europa Nostra Award“, ausgezeichnet. Am 26. Oktober 2016 konnte der 700.000. Besucher begrüßt werden. Niemand hat im Vorfeld geahnt, wie groß das Interesse an diesem einzigartigen Bauwerk des Kalten Krieges sein würde, das Schauplatz der gegenseitigen Abschreckung der Atommächte in Ost und West war.

www.regbu.de

Fotos: Sascha Kelschenbach mehr

Fotos:

Sascha Kelschenbach