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Eine Wally für Zuhaus

Eine Villa besticht durch ihre exzentrische Form und eine außergewöhnliche Textilhülle

Dass Einfamilienhäuser in ihrer Formensprache heute oft zur konventionellen Box neigen – frei... mehr

Dass Einfamilienhäuser in ihrer Formensprache heute oft zur konventionellen Box neigen – frei nach der Formel „quadratisch, praktisch, gut“ – ist kein Geheimnis. Für Aufregung sorgt da natürlich ein Projekt, das den Weg der Mitte und des Mainstreams verlässt. Genau so ein formal spektakuläres Haus wünschte sich der Bauherr für seine vierköpfige Familie auf einem Grundstück in einer Einfamilienhaussiedlung im Osten Düsseldorfs. Aus einem geladenen Entwurfswettbewerb mit drei weiteren Büros ging das Büro von Dirk Henning Braun aus Aachen als Gewinner hervor. Seine Idee, ein Haus zu entwerfen, das die kantig gefalteten Luxusyachten des italienischen Herstellers Wally adaptiert, traf den Nerv des Auftraggebers, ebenso wie der Ansatz auf innovative Materialien und Technologien zu setzen.

Als eine Herausforderung bei der Entwurfsarbeit erwies sich das gleichermaßen umfangreiche wie vielfältige Nutzungsprogramm, das in einem Volumen mit einer Kantenlänge von 15 x 30 m arrangiert wurde. Um die aus diesen Dimensionen resultierenden tiefen Grundrisse gleichmäßig mit Tageslicht zu versorgen, wurden einerseits – ganz klassisch – Dachöffnungen vorgesehen. Zum anderen wurde aber auch an der nördlichen Eingangsfront und zu den beiden Seiten der transparente Fassadenanteil in ganz unterschiedlichen Fensterformaten erhöht, ohne dass dieses nach außen hin so sichtbar wäre. Eine für das Gebäude eigens konzipierte und innovative transluzente Textilfassade kreiert eine homogene, monolithisch wirkende Hülle, die von innen unsichtbar bleibt, von außen aber als effizienter Sichtschutz fungiert – gerade angesichts der exponierten Lage des Hauses an einer Straßenecke eine ganz entscheidende Qualität. Dass das tatsächlich praktikabel ist, hatte der Bauherr selbst getestet: Über zwei Jahre hing ein Mustermodul des Textils vor der Terrassenverglasung seiner Stadtwohnung. Bis allerdings auch ein Statiker gefunden war, der die Einhausung in der gleichen Leichtigkeit und Ökonomie wie das darüber gespannte Textilgewebe umsetzen konnte, bedurfte es eines langen Atems. Am Ende gelang es einem Ingenieur aus Baden-Württemberg, die Konstruktion von ursprünglich veranschlagten 28 auf effiziente sieben Tonnen Stahl zu minimieren.

In dem topographisch eingebetteten Sockelgeschoss befinden sich neben der weiträumigen Tiefgarage mit vier Stellplätzen ein großzügiger Swimmingpool mit Spa, die Einliegerwohnung für Hausangestellte oder Gäste sowie weitere Nebenräume. Gewohnt, gechillt und gearbeitet wird in dem über der Glasfuge schwebenden Volumen, das umseitig bis auf die Gartenfront in die silberne Textilhülle verpackt ist. Der Wohnraum im Erdgeschoss geht mit seiner abgesenkten Kaminlounge und der offenen Küche direkt in den Außenraum über – dank der elektrisch betriebenen, 4 m breiten Panoramafenster aus Schweizer Produktion lässt sich ein durchgehendes Raumkontinuum herstellen. Über den zweigeschossigen Raum führt eine gläserne Galerie, die im ersten Obergeschoss Schlaf-, Wohn-, Kinder- und Arbeitsbereiche verbindet. Der schräg hervorkragende Überhang der Eingangssituation beinhaltet ein Heimkino und ein Atelier. Die Innentreppen entsprechen in ihrem Steigungsverhältnis genau der Gebäudeschräge und bilden mit den terrassenseitigen Freitreppen zum Garten eine kontinuierliche Achse durch das Gebäude aus.

Wohnfläche (gesamt): 835 m²
Grundstücksgröße: 1.650 m²
Fertigstellung: 2017
Baumaßnahme: Neubau
Bauweise: Hybridbauweise in Stahl und Beton
Energiekonzept: Blockheizkraftwerk mit Biogas

www.profdrdhbraun.de


Fotos:

Daniel Hartz
www.danielhartz.com