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Die Natur ins Haus holen

Ein Bungalow besticht durch seine großzügige Transparenz und vielfältigen Gartenperspektiven

Eigentlich hatte der Bauherr schon einen Bauplatz an einem anderen Ort erworben. Eher zufällig... mehr

Eigentlich hatte der Bauherr schon einen Bauplatz an einem anderen Ort erworben. Eher zufällig führte ihn eine Radtour an einem Grundstück vorbei, das gerade vom Gartenbewuchs befreit wurde, um verkauft zu werden: Das 2.500 m² große Anwesen war mittig mit einem alten Bungalow aus den 1960er-Jahren bebaut – inmitten der immer stärker schrumpfenden urbanen Gartensituationen ein echter Schatz! Die Entscheidung für den Grundstückskauf fiel dann auch schnell. Wobei der Bauherr, ein Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer eines Branchenunternehmens, den Entwurf in keine fremden Händen legen wollte. Schon in früheren Wohnsituationen hatte er seine Passion für die Planung bis in gestalterische Details unter Beweis gestellt. Auch bei diesem Haus schlüpfte er wieder in die Rolle des Entwurfsarchitekten – ein Architekt half am Ende bei den Genehmigungsplänen.

Um den Bestandsschutz des Hauses zu erhalten, wurde der frühere, in der Kernsubstanz nicht zu erhaltende Bungalow bis auf die Kellerwände zurückgebaut. Der Neubau orientiert sich dabei an der äußeren Kubatur des Vorgängers: Auch wenn auf dem Grundstück nach § 34 BauGB ein Satteldachgeschoss möglich gewesen wäre, wurde die eingeschossige Bauweise beigehalten. Lediglich das als Wetter- und Sonnenschutz konzipierte Dach weicht in seinem Überstand von 1,50 m vom früheren Bestand ab. Zur Straße zeichnet sich das Haus zurückhaltend ab, die eigentliche Eingangssituation liegt diskret in der Grundstückstiefe verborgen. Sie offenbart sich erst unter einem lichtspendenden Oculus. Dabei öffnet sich eine erste pittoreske Blickachse durch das Gebäude in den hinteren Garten. Mit 255 m² Wohnfläche nimmt das Haus nur etwa ein Zehntel des Gesamtgrundstückes ein – der überwiegende Anteil wird von den unterschiedlichen, aufwendig und differenziert gestalteten Gartenbereichen eingenommen. Um die im Wandel der Tages- und Jahreszeiten sich verändernde Naturkulisse in die Räume hineinzuholen, wurde die Außenhülle des Gebäudes weitestgehend transparent ausgebildet – durchweg mit raumhohen und nahezu rahmenlosen Fensterelementen des Schweizer Herstellers Sky-Frame. Im Innenbereich verbinden zudem raumhoch ausgebildete, transparente Sprossentüren die Räume miteinander, sodass sich spannungsvolle Durchsichten auch zwischen den verschiedenen Räumlichkeiten ergeben. Die geschlossenen Bereiche der Fassade sollten hochwertig und natürlich gehalten werden – entsprechend wurden sie mit Naturschieferplatten bekleidet und der Dachüberstand erhielt eine Holzverkleidung. 

Die Zurückhaltung des Hauses gegenüber der Straße wird im Inneren durch die symmetrisch angeordnete Sichtbeziehung konterkariert, die sich an zentraler Position im großzügigen Wohnbereich ergibt. Nach Nordwest öffnet sich eine transparente, großformatige Schiebefensterfront um ein Natursteinbassin herum – eine geradezu bildartige Komposition mit einer alten, als Bonsai ausgebildeten japanischen Mädchenkiefer im zentralen Blickpunkt. Belichtet wird dieses fließende Kontinuum aus Innen- und Außenraum über ein zentrales Oberlicht, das je nach Jahreszeit und Sonnenstand ein Lichtspektakel mit facettenreichen Spiegelungen erzeugt. Auch das gartenseitig situierte Schlafzimmer darf sich glücklich schätzen: An einer Flanke des Lichthofes gelegen, profitiert es von der besonderen Raumsituation. Die äußere Gartenkulisse wird in den Innenräumen von dekorativen großformatigen Motivtapeten an den Wänden kontrastiert. Nach individuellen Entwürfen des Bauherrn wurden sie in Italien und Großbritannien hergestellt – dass es am Ende zu keinen bösen Überraschung beim Tapezieren kam, ist dem sehr hohen Vorplanungsgrad des Hauses zu verdanken. Entstanden ist so am Ende ein wahres Refugium, das Haus und Garten in einer einzigartigen Balance hält. Dem Bauherren öffnet sich jeden Tag aufs Neue eine Oase der Entspannung und der Entschleunigung. Die regelmäßig anfallenden Gartenarbeiten nimmt er dafür gerne in Kauf.

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|22)