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Architekt des Neuanfangs

Zwei Ausstellungen zu Paul Schneider von Esleben im Mannesmannhochhaus und im Haus der Architekten

„Fahren, fahren, fahren auf der Autobahn“ – so erklang es 1974, ein Jahr nach der großen... mehr

„Fahren, fahren, fahren auf der Autobahn“ – so erklang es 1974, ein Jahr nach der großen Ölkrise, mit dem Stimmeneditor „Vocoder“ elektronisch verfremdet von der Düsseldorfer Band „Kraftwerk“. Einer der beiden Begründer war Florian Schneider-Esleben – Sohn des Architekten Paul Schneider-Esleben, der sich spät in seinem Leben, aber durchaus mit familiengeschichtlicher Legitimität „Schneider von Eslebe“ nannte. Während sein Sohn sich schon vor Jahrzehnten einen Platz in der Weltgeschichte des Pop gesichert hat, ist der Name des Vaters, der 2005 starb, nur noch Architekturinsidern bekannt – und dass, obwohl sich seine Architektur stark in das gebaute Gedächtnis des Rheinlands eingebrannt hat: Das in schlichter Eleganz empor strebende Mannesmann-Hochhaus am Mannesmann-Ufer, die vom Volksmund als „Atom-Hallelujah“ titulierte, eiförmige Rochuskirche im Stadtteil Pempelfort, die schwebend
an Seilen aufgehängten Rampen der Haniel-Garage an der Grafenberger Allee – wer kennt nicht diese Bauten? Oder aber in der Nachbarmetropole: Der betonlastige, und doch die Gravität bereits am Boden überwindende ehemalige BRD-Hauptstadtflughafen Köln-Bonn. Wer einmal auch nur an ihnen vorbeigefahren ist, wird diese Bauten nicht so leicht vergessen. Im Vergleich zu manch anderen Hinterlassenschaften der deutschen Nachkriegsmoderne sind sie ausdrucksstark.

Das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst in NRW blickt aus Anlass des 100. Geburtstags des Architekten auf Paul Schneider von Esleben zurück – an zwei unterschiedlichen Standorten. Die erste Ausstellung findet im Mannesmannhochhaus statt – dem Bauwerk, das mit zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders Ende der 1950er Jahre wurde. Die Geschichte des ersten Hochhauses, das nach US-Rezepten und mit US-Patenten in Stahlskelettbauweise mit einer Curtain-Wall aus leichten Sandwichpaneelen errichtet wurde, wird darin in Fotos und Dokumenten eindrücklich nachvollziehbar. Eigenheiten, die es von den Vorbildern unterscheidet, werden in Sehpunkten konkret greifbar – an jedem zweiten Sonntag sogar auf der 21.  Etage mit fantastischen Ausblick.

Wie Florian Schneider-Esleben fuhr auch Paul Schneider von Esleben gerne schnelle Autos – am liebsten Mercedes Cabrio. Wenn er denn nicht sowieso im Flieger saß – ein beliebter Spitzname der Zeit war für ihn „Schneider-Jetleben“. Oder auf seiner Yacht zwischen seinem südfranzösischen Weingut und Griechenland das Mittelmeer bereiste. Im Haus der Architekten im Medienhafen legt eine zweite Ausstellung all das offen, was sich hinter der „Marke PSE“ verbirgt. Das gebaute Werk, das bis in die 1970er Jahre immer wieder durch neue, unbekannte Facetten überrascht, rückt dabei ebenso in den Fokus, wie die schillernd charismatische Person PSE.

Paul Schneider von Esleben. Das Erbe der Nachkriegsmoderne
23. August bis 25. September 2015
www.mai-nrw.de

Fotos: I. Goertz-Bauer L. Strelow T. Mayer  mehr

Fotos:

I. Goertz-Bauer L. Strelow T. Mayer