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Neues Leben

Ein dem Verfall preisgegebenes Gebäude in Zehlendorf wird erfolgreich reanimiert

Das Gebäude in Zehlendorf stand seit einigen Jahren leer und hatte schon einige Häutungen hinter... mehr

Das Gebäude in Zehlendorf stand seit einigen Jahren leer und hatte schon einige Häutungen hinter sich. Es wurde in den 1970er-Jahren als Gewerbe- und Produktionsstätte erbaut, später nutzte es die Mongolei als Botschaftsgebäude. Die Botschaft plante einen weiteren Umbau, doch wurde das Projekt nie realisiert. Zurück blieb ein Gebäude, das dem Verfall preisgegeben wurde. Das Haus wucherte komplett zu, im Inneren kam es zwischenzeitlich zu Wasserschäden durch geplatzte Rohrleitungen, alle Fenster waren vernagelt.

Ein Fall für die Abrissbirne? Und stattdessen zwei historisierende Stadtvillen auf das Grundstück quetschen, wonach das Publikum in vergleichbaren Wohnlagen gerne fragt? Die Ausgangslage sprach dagegen. Eine vergleichbare Ausnutzung wäre heute nicht mehr genehmigungsfähig. Außerdem war trotz der Verwahrlosung die Substanz noch intakt. Das beauftrage Architekturbüro SEHW entschied sich deshalb dafür, das leerstehende Haus zurückzubauen. Die Häutungen sollten dabei sichtbar bleiben. Erhalten wurden der grobe Beton der Konstruktion, die Oberlichtkuppeln im Dach, die Werksteintreppe als erkennbares Kind ihrer Zeit und mit einem Augenzwinkern die Fahnenmasten im Vorgarten. Nach neun Monaten Bauzeit waren alle Umbaumaßnahmen abgeschlossen. Im Erdgeschoss zoniert nun ein eingeschobener Patio zwei Wohnbereiche. Zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss ließen die Architekten ein Deckenfeld entfernen und schafften so einen Luftraum. Wo früher der untergeordnete Personalbereich war, findet sich nun eine separate Wohnung wieder. Deren Wohnraum geht in eine terrassierte, bepflanzte Landschaft über. Der Koch-, Ess- und Wohnbereich mit Bibliothek streckt sich im Erdgeschoss weit in die Tiefe des Gebäudes durch. Im ersten Obergeschoss befindet sich der private Bereich mit Schlafzimmer und Bad, die durch ein Einbaumöbel getrennt werden. Die Galerie dient als Arbeitsraum, der sich auf die Dachfläche des niedrigeren Baukörpers erweitert.

Um den geltenden Vorschriften zu entsprechen, erhielt das Gebäude eine mineralische Wärmedämmung und eine neue Haut in Form einer vorgehängten, hinterlüfteten Holzfassade aus sägerauhen, schwarz lasierten Brettern. Die neue Haut homogenisiert die Häutungen der Vergangenheit und die unterschiedlichen Volumina nach außen. Die Fenster sitzen entweder außenbündig in der Fassade oder ganz innen, was sowohl von außen als auch von innen eine starke Plastizität spürbar macht. Der rohe Beton der alten Decken findet seine Entsprechung als sichtbarer Estrich auf dem Fußboden. Der Außenbereich führt das Spiel mit Ebenen, mit Terrassierung, auch mit der Materialität und Farbigkeit fort. Es finden sich ein schwarzes Eingangselement, Beton, schwarzer Kies, Holzdecks, unterschiedliche Ebenen, einmal als Wasserbecken für das anfallende Regenwasser, einmal als fast artifizielle geometrische Rasenfläche. Gräser und Stauden setzen lebendige Farbazente. Einige mächtige Bestandsbäume prägen den Charakter des Baus als schwarze Kiste im Grünen. Das Gebäude lebt wieder und und hat wohl auch noch einige Leben vor sich.  

www.sehw.de

Architekten: SEHW www.sehw.de Heizung, Sanitär: Gustav Bertram www.gustav-bertram.com... mehr

Architekten:

SEHW
www.sehw.de

Heizung, Sanitär:

Gustav Bertram
www.gustav-bertram.com

Elektro:

Elektroanlagenbau Harting
www.elektroanlagenbau-harting.de

Fenster:

F & K Bauelemente
www.fritzmann-fenster.de

Fassade, Holzbau:

Tischlerei Max Göbel & Söhne
www.tischlerei-goebel.com

Kaminbauer:

Stefen Weinert
Kachelofen und Lüftungsbaumeister
www.kamine-weinert.de

Tockenbau:

Meteor Bau
www.meteor-bau.de

Dachdecker:

Jörg Jahnke Dachbau
www.joerg-jahnke.de

Maler:

Maltec
www.maltec.de

Statik, Bauphysik:

Wetzel & von Seht
www.wvs.eu

Fotos:

Philipp Obkircher