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Mobilität ändert sich radikal

„Wir haben eine sehr vorsichtige Attitüde zu neuen Technologien“, sagt Thomas Willemeit

CUBE: Graft Architekten beschäftigt sich schon länger mit dem Thema innovative... mehr
CUBE: Graft Architekten beschäftigt sich schon länger mit dem Thema innovative Mobilitätskonzepte. Ich denke da etwa an die Konzeption des Voloports für das Flugtaxi Volocopter. Woher kommt das für ein Architekturbüro ungewöhnliche Interesse?

Thomas Willemeit: Einer der Gründe liegt in einem vor etwa zehn Jahren gewonnenen Wettbewerb für Mercedes-Benz. Die Aufgabe bestand darin, für die weltweit ca. 6.000 Niederlassungen ein einheitliches Designkonzept zu entwickeln. In dieser Zeit haben wir viel gelernt und ein großes Verständnis dafür entwickelt, welchen Herausforderungen die Automobilindustrie mittlerweile gegenüber steht. Daraus ist dann ein gewisses Interesse und auch eine Kompetenz für dieses Thema entstanden.

Es folgten weitere Projekte im Bereich Mobilität. Wie lauten die wesentlichen Erkenntnisse aus dieser Arbeit?

Die größte Erkenntnis insgesamt war, dass sich unsere Mobilität radikal ändert und ändern muss. Es ist ganz klar, dass der Verbrennungsmotor von unterschiedlichen Antriebstechniken abgelöst werden wird und wir in Zukunft anders reisen. Ich glaube, dass es darauf ankommt, sich in der Weltgemeinschaft tatsächlich zu begegnen. Doch wir müssen uns klar darüber sein, dass dies verantwortungsvoll passieren muss.

Das neueste Mobilitätsprojekt betrifft die Umgestaltung des seit langem leer stehenden Internationalen Kongresszentrums Berlin (ICC). Daraus soll ein ungewöhnlich großer Mobility Hub entstehen. Was beinhaltet das Konzept?

Die Gesamtflächen des ICC haben gigantische Ausmaße. Wir reden hier von über 200.000 m² Bruttogeschossfläche. Das entspricht einem ganzen Stadtteil. Die Komplexität ist enorm und die Potenziale sehr groß. Kurz zusammengefasst beinhaltet das Konzept die Weiterführung als Konferenzstätte, aber vor allem als Mobilitätszentrum. Man muss sich vorstellen, das sich unter dem Gebäude ein gigantisches Labyrinth von Katakomben befindet, das sich über mehrere Stockwerke zieht. Hier planen wir die Möglichkeit eines unterfahrbaren Tunnelsystems mit der größten Ladestation Berlins. Wir haben uns vorgestellt, dass man sich die Tatsache zu Nutze macht, die hervorragande Verkehrslage des ICC zu einem Verkehrsknotenpunkt auszubauen und die umliegenden Autobahnen und öffentlichen Verkehrsmittel einzubeziehen. Außerdem wollen wir das ICC ebenso als Kulturort etablieren und das wird nur funktionieren, wenn die Anbindung an alle Verkehrsmittel unmittelbar möglich ist.

Das Interview führte Kelly Kelch.

Thomas Willemeit

Dipl.-Ing. Architekt, BDA

Der Gründungspartner des Büros Graft Gesellschaft von Architekten studierte Architektur an der Technischen Universität Braunschweig und schloss 1997 als Dipl.-Ing. Arch. ab. Er nahm außerdem an der Meisterklasse Architektur und Städtebau am Bauhaus Dessau teil. Neben seiner Tätigkeit als Architekt gewann er zahlreiche nationale Preise als Violinist. Obwohl die Kernbereiche des Unternehmens im Kontext der Architektur und der gebauten Umwelt angesiedelt sind, legt Graft immer ein besonderes Augenmerk darauf, die Grenzen zwischen Disziplinen zu überschreiten und das kreative Potenzial und die Methodik verschiedener Realitäten auszuschöpfen. Dies spiegelt sich in der Erweiterung der Bereiche Ausstellungs- und Produktdesign, Kunstinstallationen und akademische Projekte wider sowie in der Vielfalt der Projektstandorte auf der ganzen Welt.

Hören Sie das gesamte Interview, das hier als Auszug abgedruckt ist, als Podcast. Hier klicken.

(Erschienen in CUBE Berlin 04|23)