Architektur
Kategorie
Themen
Interior
Themen
Kategorie
Garten
Themen
Kategorie
Spezial
Kategorie

Intensiver Dialog

An der FH Potsdam wurde das Studentencasino in einem ehemaligen Stallgebäude neu instand gesetzt

Das Haus 17 ist eines von sechs Bestandsgebäuden auf dem Campus der Fachhochschule Potsdam, die... mehr

Das Haus 17 ist eines von sechs Bestandsgebäuden auf dem Campus der Fachhochschule Potsdam, die 1991 im Stadtteil Bornstedt gegründet wurde. Die Gebäude sind Teil der ehemaligen Adolf-Hitler-Kaserne, mit typischen Bauten aus der NS-Zeit. Durch zahlreiche Neubauten in den vergangenen Jahren hat sich die junge Fachhochschule zu einem modernen Hochschulstandort entwickelt. Studienschwerpunkte sind neben Stadt, Bau und Kultur die Themen urbane Zukunft, Information und Visualisierung, Soziale und Regionale Transformation sowie Europäische Bau- und Kulturlandschaft.

Haus 17 nimmt eine Sonderstellung ein. Dem eingeschossigen, ehemaligen Stallgebäude drohte mehrfach der Abriss. Studierende hatten es jedoch okkupiert und dort ihren Studentenclub eingerichtet. Aufgrund gravierender Mängel an der Bausubstanz und beim Brandschutz war eine langfristige Nutzung des Gebäude nicht möglich. Zwischen 2016 und 2017 erfolgte deshalb dessen umfassende Instandsetzung. Für deren Planung war das Büro Rüthnik Architekten aus Berlin verantwortlich.

Der im Haus 17 untergebrachte Studierendenclub, das sogenannte Casino, spielt eine zentrale Rolle im studentischen Leben. Den „ruppigen Charme“ der Räume sowie die dort stattfindende Eigeninitiative der Studenten wollten die Architekten erhalten. Risse der tragenden Mauerwerkswände, Stahlträger und Stahlstürze und das Dachtragwerk wurden instand gesetzt. Das Dach bekam eine neue Eindeckung und Entwässerung. Das Gebäude erfüllt heute alle Anforderungen an den Brandschutz, die Barrierefreiheit und den Wärmeschutz (EnEV 2016) und bietet den Studierenden wieder Raum für eine selbstbestimmte Aneignung.

Außen erhält das Gebäude ein neues Gesicht mit viel Modernität und hohem Wiedererkennungswert. Die hinterlüftete Holzfassade besteht aus einer rauen, naturbelassenen und vertikalen Schalung in Lärchenholz. Die neuen Fensterelemente strukturieren die Fassade. Durch die baugleichen Verschattungselemente aus Holz entsteht ein mehrdimensionales Fassadenbild, das die Dynamik des Studierendenclubs widerspiegelt.

Im Innenbereich beschränken sich die Arbeiten auf den Rückbau der studentischen Einbauten. Ein weiterer umfassender Innenausbau wurde von den Architekten nicht mehr durchgeführt. Die Studenten konnten selber aktiv werden, wodurch deren Interaktion nochmals besonders gefördert wurde. Der Studiengang „Konservierung-Restaurierung von Wandmalereien“ nutzt bereits seit 2003 die Innenwände als Grundlage für Freskokurse. Die dabei entstandenen Fresken werden jetzt wieder von den Studierenden für eigene Lernzwecke verwendet. Sie können daran Restaurierungsmaßnahmen ganz praktisch an einem realen Gebäuden erproben. Das Casino wird darüber hinaus vor allem als Kultur- und Kommunikationsplattform genutzt, auf der sich Studierende aller Fachbereiche interdisziplinär begegnen können. Mit der Instantsetzung ist ein intensiver Dialog entstanden, der das von den Studenten selber initierte Nutzungskonzept mit zeitgemäßen baulichen Anforderungen und einer modernen Gestaltung verbindet.

www.ruethnick.com

Fotos:

Tomek Kwiatosz
www.architekturfotograf.net
Kevin Fuchs
www.kevinfuchs.com