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Individualität und Gemeinschaft

Neues städtisches Wohnen – ein Beispiel aus der Choriner Straße

Baugruppenprojekte, also Mehrfamilienhäuser, die unter direkter Planungsbeteiligung der späteren... mehr

Baugruppenprojekte, also Mehrfamilienhäuser, die unter direkter Planungsbeteiligung der späteren Bewohner errichtet werden, sind in Berlin seit einiger Zeit der Motor für die Weiterentwicklung urbanen Wohnens. Ein überzeugendes Beispiel dafür errichteten Zoomarchitekten Berlin mit dem Neubau eines siebengeschossigen Vorderhauses nebst zweigeschossiger Gartenremise für insgesamt acht Familien im Prenzlauer Berg.

Schon die Gestaltung der Straßenfassade weist auf die wesentlichen Merkmale dieses Projekts hin – die Gleichzeitigkeit von Individualität und Gemeinschaft. Die Fenster verteilen sich scheinbar zufällig über die Fläche und ergeben doch als Ganzes ein fein abgestimmtes Gesamtbild. Wie kam es zu diesem Fassadenbild? Die Architekten hatten sich entschlossen, nur die Konstruktion der Außenwand – massiv mit eingeschnittenen Fenstern – und drei, zur Auswahl stehenden Fensterformate festzulegen. Die genaue Verteilung der Fenster jedoch ergab sich erst aus den individuell geplanten Grundrissen der einzelnen Wohnungen. Dabei verweisen die großen, geschosshohen Fenster auf dahinter liegende Wohn- oder Schlafzimmer bzw. die Zimmer von älteren Kindern. Die kleinen Fenster markieren dagegen Nebenräume bzw. die Zimmer der Jüngeren. Einige der Fenster ordneten die Architekten als Ausguck der Kinder sehr niedrig, knapp über dem Boden an – so dass die Kinder von ihrer Spielecke direkt auf die Straße schauen können. Bei aller Individualität gewann die weiß verputzte Fassade am Ende ein harmonisches, wenn auch bewegtes Erscheinungsbild. Lediglich das Erdgeschoss hebt sich mit seiner messingfarbenen Blechverkleidung als deutlich wahrnehmbarer Sockel vom übrigen Gebäude ab.

Der individuelle Gestaltungsspielraum der Bewohner beschränkte sich bei diesem Projekt jedoch nicht auf den Grundriss der Wohnung, sondern betraf selbst ihre Größe und Anordnung im Gebäude. Vor dem Einstieg in die Wohnungsvergabe und bewohnerorientierte Grundrissplanung, gaben die Architekten zunächst nur die Kubatur der Baukörper, die Lage der Treppenhäuser, die Geschosshöhen sowie die mögliche Größe der Wohneinheiten als Vielfaches von 86 m² großen Raummodulen vor. Wie viele dieser Module die späteren Nutzer für ihre Wohnung erwarben und ob sie diese neben- oder übereinander anordneten, blieb ihnen überlassen. Das Ergebnis? Ein bunter Mix verschiedenster Wohnungstypen mit Größen von 86 bis 275 m², die sich über ein bis drei Geschosse erstrecken.

Um die freie Kombination der Module und die spätere individuelle Grundrissplanung zu ermöglichen, verzichteten die Architekten weitgehend auf innen liegende Wände oder Stützen. Nur an den Außenseiten des Gebäudes und am mittig angeordneten Treppenhaus werden die Deckenlasten aufgenommen. Offene, über die gesamte Gebäudebreite und -tiefe reichende Räume waren damit möglich, deren Formensprache von minimalistisch weißen Wänden und warmen Holzfußböden dominiert wird. Als Ergänzung zum gemeinschaftlich genutzten Gartenhof und den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss wurden Loggien als individuell nutzbare Außenräume vor die verglaste Hoffassade eingesetzt sowie eine Terrasse vor die Gartenremise vorgelagert. Bei deren Fassaden greifen sie das Fenstermotiv der Straßenseite wieder auf – Sinnbild eines schlüssig zwischen Individualität und Gemeinschaft vermittelnden Architekturkonzepts.

www.zoomarchitekten.de

Architekten: Zoom Architekten www.zoomarchitekten.de Fotos: Sebastian Johnke... mehr

Architekten:

Zoom Architekten
www.zoomarchitekten.de

Fotos:

Sebastian Johnke
www.sebastianjohnke.de