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Federstrich in Ortbeton

Ein neues Museum widmet sich dem Genre der Architekturzeichnung

Seit kurzer Zeit ist Berlin um ein kleines, feines Architekturmuseum reicher: Auf dem... mehr
Seit kurzer Zeit ist Berlin um ein kleines, feines Architekturmuseum reicher: Auf dem Pfefferberg, einem alten Brauereigelände am Prenzlauer Berg, eröffnete im Sommer das Museum für Architekturzeichnung. Initiator des Projektes ist der in Berlin und St. Petersburg lebende Architekt Sergei Tchoban. Dass der Partner des Büros nps tchoban voss ein Feingeist ist und ein Faible für Kunst und insbesondere für Architekturzeichnungen hat, war schon länger bekannt. Schon 2009 rief er eine Stiftung ins Leben, die künftig junge Talente auf dem Gebiet der Architekturzeichnung fördern soll. Jetzt macht er seine Passion öffentlich und widmet dem Genre Architekturzeichnung ein Museum – was generös erscheint, kommen doch Stiftung wie Museum ohne einen Cent öffentlicher Mittel aus. Und die Nachbarschaft zur Architekturgalerie AEDES gleich nebenan lässt auf baukulturelle Synergien hoffen.

Am Westrand des Geländes erhebt sich das viergeschossige, weitgehend fensterlose Gebäude, bekrönt von einem dreiseitig verglasten Staffelgeschoss. Es schließt eine Reihe Berliner Mietshäuser ab und ragt in einen an dieser Stelle neu geschaffenen Vorplatz zum Areal. Wie locker gestapelte Quader oder Kisten stehen die vier Etagen mit 270 m² Nutzfläche übereinander; der gläserne Aufbau ragt in Querrichtung über den sandfarbenen Sockel hinaus.
Nach welchem Prinzip sich Kuben und Ecken jeweils etagenweise aus dem rechteckigen Baukörper herausschieben, darauf kann man sich zunächst keinen rechten Reim machen.

Dass es in den ersten Obergeschossen des Hauses nur ein einziges größeres Fenster gibt, verstärkt die Wirkung seiner geometrischen Elementarformen. Mit der Klarheit und Strenge der Sichtbetonkörper kontrastiert ihre reich ornamentierte Oberfläche. Noch vor 20 Jahren wäre einem solchen Gebäude die aufrichtige Irritation von Architekturkritikern und Kollegen sicher gewesen, doch inzwischen ist Ornament – zu Recht – wieder akzeptiertes Mittel der Gestaltung. Auf der Fassade wird erzählt, was den Besucher im Inneren des Gebäudes erwartet. An das Papier alter Zeichnungen soll die Farbe im Beton erinnern. Sergei Tchoban und sein Moskauer Partner Sergey Kuznetsov übertrugen Architekturzeichnungen, unter anderem von Pietro di Gottardo Gonzaga (1751 - 1831), als Relief in den Ortbeton der Fassaden. Der frühklassizistische Bühnenbildentwurf des Italieners war 2001 das erste Blatt in Sergei Tchobans Sammlung. Um Gonzagas Zeichnung über Strukturmatrizen auf den Beton zu übertragen, wurden sie in Platten gefräst, von denen wiederum Negativformen in Flüssigkunststoff gegossen und auf der Schalung montiert wurden. Darauf folgten die üblichen Arbeitsschritte der Ortbetonbauweise.

Jedoch wird die Zeichnung nicht 1 : 1 auf die Fassade gelegt, sondern in sich wiederholenden Bildausschnitten. Diese sind teils in größeren, teils in kurzen, dafür vielfach repetierten Ausschnitten arrangiert, so als lägen mehrere Zeichnungen übereinander, wie einst in den großformatigen Folianten, in denen man sie in den Architektursammlungen bewahrte. Diese Bildsequenzen wechseln ab mit abstrakten Elementen, und zwar einer Folge vertikaler, in wechselnden Abständen angeordneten Kanneluren, die an die Ränder eines Papierbündels erinnern.

Man betritt das Museum durch eine gestreckte, bis zur Decke mit Walnussholz getäfelte Eingangshalle, die in ihrer konzentrierten, fast feierlichen Ausstrahlung von russischer Repräsentationsfreude zeugt; wie auch die Türgriffe, nach Entwürfen Tchobans von einer Berliner Firma individuell aus Messing gefertigt. In der Nussbaumtäfelung taucht das Bild der Fassade wieder auf, es wurde von Hand in die Paneele geschnitzt. Auch die Fensterausschnitte folgen den Lineaturen der alten Blätter – ihre Formen entwickelte man aus Flächen innerhalb der Zeichnungen. Ein schmales Treppenhaus erschließt die oberen Etagen: Die ersten zwei Obergeschosse, in denen die Ausstellungen stattfinden, den dritten Stock mit dem Sammlungsdepot und das gläserne Dachgeschoss als Büro- und Besprechungsraum der Stiftung.

Beim Betreten der beiden Ausstellungssäle stellt man erstaunt fest, dass die von außen fast willkürlich wirkenden Auskragungen innen kaum auffallen – vielmehr bewahren sie die rechteckigen Säle vor Monotonie. Jener im ersten Stock erhält eine seitliche Erweiterung, jener im zweiten Stock wird zum Vorplatz hin verschwenkt. Dadurch vergrößert sich an der Innenseite der Freiraum für eine kleine, geschosshoch verglaste Loggia. Ein intimer, zugleich tagheller Raum, in dem der Besucher nach dem Rundgang durch das abgedimmte Licht der Säle entspannen und ein wenig im Katalog blättern kann. Der Ausblick aus dieser Loggia wird nur von dem Panoramablick übertroffen, den die Stiftungsräume und ihre Terrasse im Dachgeschoss bieten.

www.tchoban-foundation.de
www.npstv.de

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Architekten

nps tchoban voss
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Fotos

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Patricia Parinejad
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BSS Beton – System-Schalungsbau GmbH

Matrizen

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Tischlerarbeiten

Tischlerei Hollenbach
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Damián Valles Castro
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