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Fang das Licht

Aus einem Kaufhaus wird ein moderner Workingspace mit Gastronomie und Verkaufsflächen

Eine kaum für möglich gehaltene Metamorphose erfuhr das nahezu als historisches Denkmal zu... mehr

Eine kaum für möglich gehaltene Metamorphose erfuhr das nahezu als historisches Denkmal zu wertende Gebäude nahe des ehemaligen Hauptbahnhofs der DDR, dem heutigen Ostbahnhof: Das einstige Centrum Warenhaus, das 1979 als Ikone des Fortschrittsglaubens fast so etwas war wie ein Fanal des prosperierenden Ostdeutschlands, hatte nun – über 30 Jahre nach dem Mauerfall und nach einigen kurzen Episoden als Hertie und Kaufhof – ausgedient. Das österreichische Immobilienunternehmen Signa erwarb das Gebäude und lobte einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Kaufhauses aus. Der international tätige Architekt Martin Jasper gewann mit seinem Team von Jasper Architects dieses Verfahren und wurde von der Signa als Generalplaner gemeinsam mit dem lokal ansässigen Architekturbüro Gewers Pudewill mit dem Umbau beauftragt. Die Umstrukturierung des Gebäudes kann kaum anders als abenteuerlich genannt werden: Aus einem geschlossenen, fensterlosen, quadratischen Betonkubus sollte ein offener, einladender und lichtdurchfluteter neuer Glaspalast werden. Ein kaum vorstellbares Unterfangen. Das Ergebnis – Eröffnung war im März 2021 – ist verblüffend: Das Bestandsgebäude wurde vollständig entkernt, sodass nur noch das Stahlskelett übrig blieb. Eine „strukturelle Konversion“ für den neuen Mieter Zalando war das Leitbild der Planung. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass das von Jasper Architects vorgeschlagene „Aufschneiden“ des ehemals kompakten Volumens ein genialer Einfall war. In die Mitte des Altbaus wurde eine Schlucht eingeschnitten, an den vier Außenwänden jeweils ein Keil. Schon war das Gebäude lichtdurchflutet, wenn auch um den Preis des Flächenverlustes. Dafür wurde es um zwei Geschosse aufgestockt, um wieder auf dieselbe Grundfläche zu kommen. Dreidimensional gedacht strukturiert sich der Innenraum zu einem X. Auf jeder Etage ergeben sich vier um einen inneren Kern angeordnete Flächen. Der raue industrielle Charme der Immobilie wurde erhalten und die Technik – Lüftung, Kabel, Rohre, Schienen – bleibt sichtbar. Die Außenfassaden setzen sich aus zwei Modultypen zusammen: Abwechselnd wurden vollverglaste oder geschlossene Elemente montiert. In den Auslassungen wurden nur Glasflächen eingesetzt. Gemäß dem Nutzungskonzept zogen Shops, Supermärkte und Cafés in das Erdgeschoss ein. Die oberen Stockwerke werden von Zalando als Büroflächen genutzt, die modernen, sich wandelnden Arbeitsflächenanforderungen entsprechend gestaltet sind.

www.jasperarchitects.com

Fotos:

HG Esch
www.hgesch.de
Nils Koenning
www.nilskoenning.com

(Erschienen in CUBE Berlin 01|22)

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