Urbanes Wohnen im Grünen
Ein Quartier mit Abenteuerpfad und Platz für Begegnung, Aufenthalt, Spiel und Sport
Auf einer ehemaligen Gewerbefläche in Eidelstedt entstand ein Wohnquartier für Familien, Studierende und Senior:innen mit 367 Wohneinheiten (davon 86 öffentlich gefördert), Büro-, Praxis- und Ladenflächen sowie einer Tiefgarage. Die Eidelstedter Höfe sind durch die bauliche Struktur vom Straßenverkehr abgeschirmt und verknüpfen Wohnen mit Bewegung und Natur. Autofreie Rad- und Fußwege durchziehen das Innere des Quartiers und verbinden private, halböffentliche und öffentliche Freiräume. Die Freiraumplanung stammt von Mertins Landschaftsarchitektur.
Mehr als 80 Prozent der Dachflächen sind begrünt. Ein eigens konzipiertes Biodiversitätsdach schafft mitten in der Stadt Lebensräume und Rückzugsorte für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Blütenreiche Pflanzengemeinschaften liefern Nahrung für Laufkäfer, Wildbienen und Schmetterlinge. Totholz, Kies- und Schotterflächen, temporäre Wasserflächen sowie Nisthilfen schaffen zusätzliche Sonnen-, Brut- und Jagdreviere. Trockenheitsresistente Sukkulenten, Kräuter, Graslandarten und Stauden unterstützen Bestäuber und tragen langfristig zur Erhöhung der Biodiversität bei. Von Fenstern und Balkonen aus genießen die Anwohner:innen den Blick auf diese grüne Oase, die zwischen den Gebäuden hervortritt. Wege, platzartige Treffpunkte und Spielbereiche wechseln sich ab und bieten multifunktionale Räume für Begegnung und Aktivität. Niedrige Kanten und lineare Sitzelemente strukturieren die Freiflächen und schaffen klare Übergänge zwischen Gemeinschaftsflächen, Spielbereichen und privaten Gärten. Entlang der zentralen, halböffentlichen Erschließung sind sogenannte „Active City“-Elemente angeordnet. Die niedrigschwelligen Bewegungsangebote fördern körperliche Aktivität im Alltag und richten sich gleichermaßen an Bewohner:innen sowie an die Öffentlichkeit.
Aus der Frage, wie sich Naturschutz mit naturnahem Spiel verbinden lässt, entstand ein besonderer Naturraum: Er führt durch einen waldartigen Bereich am Rand des Wohnquartiers zu verschiedenen Spielzonen entlang der Häuser innerhalb der Eidelstedter Höfe. Dieser verkehrsfreie „Shortcut“ macht Biodiversität für Kinder und Erwachsene unmittelbar erlebbar. Für die Gestaltung dieses abenteuerlichen Erlebnisraumes wurden vielfältige Strukturen geschaffen: Tiere finden hier Lebensräume in Hecken; wild wachsende Stauden liefern ihnen Nahrung. Gabionen, Benjes-Hecken, Findlinge, Palisaden sowie Holzstämme bieten Nischen, während Nisthilfen gezielt die Insektenvielfalt unterstützen. Die Wohnanlage wurde mit dem DGNB-Gold-Zertifikat ausgezeichnet und setzt Maßstäbe für eine nachhaltige und lebenswerte Quartiersgestaltung.
Fotos:
Richard Lühring / MLA
(Published in CUBE Stuttgart 01|26)