Perfekte Balance
Naturnahe Vielfalt trifft auf architektonische Geradlinigkeit
Ein Grundstück am Wasser ist selbst im wasserreichen Hamburg eine Besonderheit – umso mehr, wenn auch das gegenüberliegende Ufer eines bachartigen Alsterzuflusses dazugehört. Das an der tiefsten Stelle quer durch den Garten verlaufende Gewässer prägt die V-förmige Topografie des Geländes: Von der Straße fällt das Gelände steil zum Bachlauf ab und steigt auf der anderen Seite auf nahezu gleichem Niveau an. Der Zugang zu dem modernen Haus erfolgt über eine Brücke zwischen Straße und Eingang und man erlebt schon hier, wie treffend die Geländeplanung auf diese Besonderheit des Grundstücks reagiert.
Vis-à-vis von der Eingangshalle wird das straßenseitige Erdgeschoss auf der Gartenseite zum Obergeschoss. Dort befinden sich nun in luftiger Höhe Küche, Ess- und Wohnbereich mit großzügigen Verglasungen, eine vollsonnige Dachterrasse und eine seitlich angeordnete, lange Treppe in den Garten. Wie ein Bild liegt das Grundstück mit seinem Bach ein Stockwerk unterhalb dieser Panorama-Ebene und inspirierte Jensen Landschaftsarchitekten bei der Gartenumgestaltung, den Fokus vor allem auf optisch wirkungsvolle Maßnahmen zu legen. In Anlehnung an fernöstlich und eher kontemplativ gestaltete Gärten wurde der zuvor kanalartig geführte Bachlauf aufgeweitet und naturnah umgestaltet. Felsen, Flachwasserzonen, differenzierte Uferbereiche und standortgerechte Bepflanzungen verleihen dem Gewässer neue Lebendigkeit und fördern zugleich die ökologische Vielfalt. Einen bewusst architektonischen Kontrast dazu setzt die südwestliche Grundstücksgrenze: Dort begleitet eine Reihe aus sieben quaderförmig geschnittene Hainbuchen den Geländeverlauf. Ihre mit dem jährlichen Schnitt gehaltene Höhe bildet eine horizontale Linie, die die Geometrie des Gebäudes in die Landschaft fortführt. Anstelle eines alten Holzstegs entstand an günstigerer Stelle eine streng formale Brücke aus rechteckigen, hochvergüteten Betonplatten, nahezu freitragend über den Bach gespannt. Auf Wunsch der Bauherrschaft blieb die Brücke der schlichten Eleganz zuliebe bewusst ohne Geländer und erscheint als waagerechte Linie.
Versetzt angeordnete, großformatige und materialgerechte Platten bilden am Ende der Brücke subtile Stufen mit ausgeprägten Schattenfugen, die zum wohl schönsten, neu angelegten Platz im Garten führen. Beim Tee genießt man dort im nachmittäglichen Schatten unter einer alten Rispenhortensie einen herrlichen Rundumblick. Das gestalterische Thema dieser verschachtelt und treppenartig verbauten Platten wiederholt sich an der Böschung unterhalb der Brücke im Vordergarten, die zum Eingang führt. Flankiert wird dieses Arrangement von fließenden Formen aus japanischem Waldgras und Zwergilex sowie einem mächtigen Cornus kousa, der als Signature-Tree eigens für diesen Standort ausgewählt worden ist.
www.jensen-landschaftsarchitekten.de
Fotos:
Jensen Landschaftsarchitekten
(Published in CUBE Hamburg 02|26)