Flexibel, günstig, trennbar
Ein Mietgaragenpark besticht durch sein zukunftsoffenes Konzept
Wie lassen sich Gewerbebauten so planen, dass sie auf zukünftige Anforderungen reagieren können? Das Kölner Büro Aretz Dürr beantwortet diese Frage mit dem Projekt „Mietpark 20“ in Altenkirchen im Westerwald. Die als Multifunktionshalle konzipierte Anlage setzt auf konstruktive Einfachheit und räumliche Offenheit, um unterschiedliche Nutzungen dauerhaft zu ermöglichen.
Die 63 × 14 Meter große Halle kommt mit einer klar reduzierten Tragstruktur aus Brettschichtholz aus. Zwölf Stützen, vier Gerberträger und ein Kaltdach definieren das System, das in nur vier Monaten Bauzeit realisiert wurde. Die stü-tzenfreie Fläche ermöglicht eine flexible Nutzung ohne konstruktive Einschränkungen. Konzipiert als kleinteiliger Mietgaragenpark, lässt sich die 900 Quadratmeter große Fläche flexibel in Einheiten zwischen 23 und 276 m² unterteilen. Die Tragstruktur gliedert sich in drei gleich große Joche, die durch die querausteifenden Wände begrenzt werden. In Längsrichtung sind die Tragstützen eingespannt. Somit bleibt die Fassade vollständig frei von tragenden und aussteifenden Elementen. Die in der Fassade eingefügten 36 Sektorialtore können bei Bedarf flexibel durch andere Materialien, etwa transluzente Fassadenelemente, ersetzt werden, sodass auch Nutzungen jenseits reiner Lagerflächen möglich werden. Auch die Querwände der feingeteilten Mieteinheiten sind nicht tragend mit der Primärkonstruktion verbunden und können jederzeit einfach rückgebaut werden. Konstruktiv wie strukturell hält das Hallentragwerk aber auch eine Reihe weiterer zukünftiger Nutzungsszenarien mit ganz unterschiedlichen Nutzungsgrößen vor. Das Dach und die Decke sind bereits gedämmt, sodass hier auch langfristig nicht mehr in die Konstruktion eingegriffen werden muss. Die tragende Struktur der Gerberträger ist in der Mitte gedoppelt. Entsprechend kann sich hier ihre statische Höhe reduzieren und auf konstruktive Weise kann ein Gefälle entstehen, das in der wasserführenden Trapezblechhaut aufgenommen wird, um das Regenwasser kontrolliert in eine großzügig dimensionierte Mittelrinne abzuleiten. Die Dachhaut ist als klassische Kaltdachkonstruktion ausgebildet: Horizontal und nicht abgedichtet, befindet sich darunter eine gedämmte Holzrahmenkonstruktion, die großzügig belüftet wird. Auf aufwendige wasserführende Abdichtungen, Gefälledämmungen und damit auch ökologisch bedenkliche Polystyrol-Hartschaum-Dämmstoffe konnte so verzichtet werden. Alle Bauteile lassen sich zudem vollständig demontieren und sortenrein trennen. So bleibt die Multifunktionshalle langfristig flexibel, funktional offen und konstruktiv anpassungsfähig – als robuste Struktur für wechselnde Nutzungen.
Fotos:
Ben Schumann
(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|26)
