Wie neu geboren

Mit wenigen Eingriffen wurde ein altes Bauernhaus wieberbelebt

Ein Bauernhaus in altersgemäß sehr einfachem und sanierungbsbedürftigem Zustand wurde durch behutsame architektonische Eingriffe erneuert und ertüchtigt. Eine Transformation auf minimalistische Art und Weise, die äußerlich erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist.

Aber von Anfang an: Das märkische Bauernhaus in Lanke, knapp 40 km nördlich von Berlin, sollte für eine Goldschmiedin und Schmuckdesignerin so umgebaut werden, dass die alte Bausubstanz, abgesehen von wenigen Eingriffen, original erhalten bleibt – und sie dort leben und arbeiten kann. Sie gewann den Architekten Christoph Wagner aus Berlin für diese Aufgabe. Den augenfälligsten Eingriff stellt ein außermittiges Rundfenster an der östlichen Giebelwand dar. Diese war zuvor fensterlos, nun holt die neue Öffnung die Morgensonne ins Innere. Das Messingblech vor dem Fenster wurde so gebogen, dass das Regenwasser abfließt und das Metall noch mehr Sonne nach innen reflektiert. Das „Bullauge“, das  fertig angeliefert und in eine Brettsperrholzkonstruktion eingepasst wurde, bildet nun einen Erker, da es aus der Hauswand auskragt. Innen ist ein Holzsockel mit einer Mulde hinzugefügt, in die man sich hineinlegen kann. Die größten Eingriffe von Christoph Wagner, in Zusammenarbeit mit seiner Kollegin Wenke Schladitz, waren der Aufbruch der Südwand für eine bodentiefe breite  Terrassentür und der Deckendurchbruch für die Treppe. Durch einen Balkonvorbau konnte das Zwickelmauerwerk der Aussenwand so weit abgefangen werden, dass Stützen im Innern überflüssig waren. Der Vorbau bildet gleichzeitig das Dach über der ebenfalls neuen Veranda. Eine kompakte Treppe aus Holz und ohne Geländer führt nach oben ins erste Obergeschoss. Ihr Clou ist, dass sie aus Negativ- und Positivformen zusammengesetzt ist. Alles sieht zwar robust, aber auch einfach aus. In der Fertigung war es alles andere als das.

Eine weitere Besonderheit bei der Restaurierung dieses 120 Jahre alten Hauses war, dass an vielen Stellen recycelte Materialien verwendet wurden: Der Fußbodenaufbau aus Glasschotter und regionaler Lehmschüttung kommt ohne Abdichtungsbahnen aus. Der Parkettboden wurde aus Stücken, die anderswo herausgebrochen worden waren, hier wieder zusammengesetzt. Abbruchziegel wurden als nichttragende Wände wiederverwendet. Alles in allem eine vorbildliche Veränderung, angepasst auf heutige Verhältnisse und wie die Rückführung des historischen Hauses in ein neues Leben.

www.c-wagner.de

Fotos:
Eric Tschernow
www.tschernow.de

(Erschienen in CUBE Berlin 02|24)

Architektur:

Christoph Wagner Architekt*innen
www.c-wagner.de

Tragwerksplanung:

DBV Ingenieure Berlin
www.dbv-ingenieure.de

Brettsperrholz:

FHS Holzbau
www.fhs-holzbau.de

Hanf-Lehm-Schüttung:

Hanffaser Uckermarck
www.hanffaser.de

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