Unbekanntes Wohnobjekt

Polygonaler Baukörper mit unerwarteten Ecken und Kanten

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Ein Boot? Eine Scheune? Oder ein Ding aus einer anderen Welt? Das Haus Wustrow am Plätlinsee mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte gibt seine Identität nicht sofort preis. Wenn man um das Haus herumgeht, ergibt sich auf jeder Seite ein komplett anderer Anblick. Es ist Bestandteil einer kleinen Siedlung von etwa 20 Ferienhäusern am See, die zur Gemeinde Wustrow gehört.

Den entwerfenden ArchitektInnen Wanja Wechselberger von WWStudio und Florian Kneer von Legeer Architekten gelang ein völlig ungewöhnliches Ferienhaus, das geometrisch nur schwer zu erfassen ist. Der boots- und rautenförmige Baukörper erinnert an die Bootshäuser und Kähne, die sich hier zuhauf in die Seenlandschaft einfügen. In der Mitte weitet sich das Volumen, sodass sich dort die breiteste und höchste Stelle des Hauses befindet. Die Nord-Süd ausgerichteten Schmalseiten des Hauses bleiben dadurch weitgehend frei. Insgesamt gibt es eine Wohn- und Nutzfläche von 92 m² auf drei Ebenen. Im Erdgeschoss liegen Küche, Essplatz und ein doppelgeschossiger Wohnraum, der sich atriumartig über zwei Ebenen erstreckt. Eine mäßig ansteigende Rampe verbindet das Erdgeschoss mir der oberen Ebene. Hier gibt es zusätzlich ein Badezimmer mit angrenzender Sauna sowie einen Lagerraum. Ein patioartiger Balkon und der Schlafraum liegen auf der obersten Ebene. Durch die Glaswand des Balkons gelangt noch mehr Tageslicht nach unten in die Wohnräume. Die Innenwände sind durchweg aus Birkenholz, das durch seine helle Farbe und Struktur zum Wohlfühlen beiträgt. Am nordöstlich ausgerichteten Ende gibt es eine Sitzecke und ein großes Fenster mit Blick zum See. Bei schönem Wetter lässt sich der Raum zu einer außen liegenden Terrasse erweitern. Die Grundkonstruktion ist in Holzständerbauweise errichtet und bei der Wandkonstruktion handelt es sich um vorgefertigte Holzrahmenbauteile. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade aus lasierter anthrazitfarbener Fichte hat einen silbrigen Schimmer, der mit den dunkelgrauen Betonziegeln des Daches harmoniert. Die Stülpschalung ist parallel zur Traufkante ausgerichtet und verläuft daher diagonal zur Fußbodenkante. Dies erzeugt optisch einen dynamischen Charakter und die Ausrichtung mit der schmalen Seite zum See verstärkt die Assoziation, dass es sich um einen Bootskörper handele. Insgesamt ist das Haus durch seine Form und das „gestapelte“ Innere eine sehr ungewöhnliche und klug durchdachte Komposition, sodass man sich hier gemeinsam wohlfühlen, sich aber auch allein zurückziehen kann.

www.wanjawechselberger.com
www.legeer.de

Fotos:

Andreas Labes
www.andreas-labes.de

(Erschienen in CUBE Berlin 03|22)

Architekten:

Wanja Wechselberger
www.wanjawechselberger.com
Legeer Architekten
www.legeer.de

Zimmerei:

Zimmerei Reiner Poschkamp
www.zimmerei-poschkamp.de

Schreinerei:

Tischlerei Wesenberg
www.herzog-ideenausholz.de

Sauna:

House of Wellness
www.house-of-wellness.de

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