Von der Kirche zur Kunst

Kongenial umgesetzt: Ein besonderer Raum für eine besondere Sammlung

Die 1959 geweihte Nikodemuskirche, entworfen von Henry Schlote, liegt an der Fuhlsbüttler Straße in Ohlsdorf. Sie wirkt von außen eher traditionell, beeindruckt aber innen durch eine progressive Gestaltung: eine markante Parabelform und eine qualitätsvolle ikonografische Ausstattung. Wie viele andere Gotteshäuser der Evangelischen Nordkirche wurde sie aufgegeben und 2022 entwidmet. WRS Architekten und Stadtplaner haben den Sakralbau in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt und der Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns als Bauherrin zum „Parabel – Zentrum für Kunst in Hamburg“ umgebaut.

Eine entwidmete Kirche – zumal eine denkmalgeschützte – umzunutzen, ist grundsätzlich eine große Herausforderung, denn ihr stadtbildprägender Charakter und die bauzeitlichen Details müssen erhalten werden. Der behutsame Umbau durch Axel Winckler bewahrt diese zentralen Elemente. Die raumprägenden Sichtbeton- und Verblendpfeiler sowie die Holzdecke wurden saniert. Die schräge Empore für Orgel und Chor wurde entfernt und durch eine neue Sichtbetondecke ersetzt, wodurch zusätzlicher Ausstellungsraum entstand. Im Eingangsbereich wurde ein Empfangstresen integriert – durch eine Wandscheibe mit Glasöffnung und eine große Glasschiebewand vom ehemaligen Kirchenraum abgetrennt. Um Kunst auszustellen, braucht es einen neutralen Raum mit geraden Wänden. Daher erhielt der Innenraum eine neue Hülle aus Ausstellungsflächen, die vor die sakralen Wände gesetzt wurden. Eine textile Membran beruhigt den Raum und gewährleistet den Lichtschutz. Der Bodenbelag aus türkisfarbenen Kleinfliesen und Holzbohlen wurde nach intensiver Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt durch einen neu­tralen Estrich mit Fußbodenheizung ersetzt. Alle neuen Elemente und Einbauten setzen sich in dunklem Grau klar vom Bestand ab. Eine Lichtinstallation in Parabelform am Turm macht die Transformation zum Kunstzentrum sichtbar und lädt ein, die außergewöhnliche Sammlung Hamburger Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zu erleben.

www.wirsind.net
www.parabel.hamburg

Fotos:
juergen-schmidt-fotografie.de
www.juergen-schmidt-fotografie.de
Hayo Heye
www.hayoheye.com

(Erschienen in CUBE Hamburg 01|26)

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