Transformation ins Heute
Wohnung im Westend wird geöffnet, aufgehellt und präzisiert
Im Frankfurter Westend, nur wenige Schritte von Gründerzeitfassaden und alten Alleen entfernt, hat das Büro Bosse Design aus Bad Homburg eine 123 m2 große Wohnung aus dem Jahr 1984 neu gedacht. Das Haus besitzt mit seinen Holzsprossenfenstern und der klassisch gegliederten Fassade durchaus Charakter – im Inneren jedoch dominierten braun-gelb geflieste Bäder, schwere Mahagonitüren und ein insgesamt gedämpftes Raumgefühl. Die Inneneinrichterin Helga Bosse erkannte das Potenzial hinter der Substanz und formulierte eine klare Leitidee: Öffnung, Aufhellung und Präzisierung.
Der entscheidende Eingriff war der Durchbruch einer Wand zu einem großzügigen Koch- und Wohn-Essbereich. Wo zuvor einzelne Zimmer nebeneinanderlagen, ist heute ein fließender Raum, der Alltag und Geselligkeit verbindet. Die neue Küche mit Kochinsel bildet das kommunikative Zentrum. Hier wird nicht nur gekocht, sondern empfangen, diskutiert, gelebt. Die offene Struktur schafft Blickachsen zwischen den zwei Balkonen und lässt Licht tief in die Wohnung fallen. Auch ein dunkler, schlauchiger und verwinkelter Flur wurde durch ein modernes Lichtkonzept neu in Szene gesetzt. Der Grundriss wirkt nun selbstverständlich – als sei er nie anders gedacht gewesen. Mit der räumlichen Öffnung geht eine radikale Erneuerung aller Oberflächen einher. Die Innenarchitektin ersetzt dunkle Töne durch helle, nuancierte Farbschichten. Besonders deutlich wird dies an den ursprünglich dunklen Mahagonitüren: Ihre klassische Formsprache blieb erhalten, doch durch ein neues, helles Finish ordnen sie sich nun der lichten Ästhetik unter. Ein weiß gekalkter Eichenparkettboden bringt zusätzliche Ruhe und Wärme in die Fläche. Neue Tür- und Fenstergriffe setzen präzise Akzente und zeigen, wie sehr das Konzept bis ins Detail gedacht ist. Die Intervention bleibt dabei stets respektvoll gegenüber der vorhandenen Architektur – sie überformt nicht, sondern schärft.
Viel Aufmerksamkeit erfuhren auch die Bäder. Die Komplettsanierung verwandelt sie von Relikten der 1980er-Jahre in zeitgemäße Rückzugsorte. Ein skulpturaler Waschtisch aus schwarzem Corian und die Badewanne werden raumsparend über Eck inszeniert. Als Kontrast wählen die Innenarchitekten Fliesen im klassischen Metrostil – ein bewusstes Spiel zwischen Tradition und Gegenwart. Insgesamt schaffen Umbau und Sanierung eine Wohnung mit klaren Formen, starken Materialien, präzisen Kompositionen sowie einer Integration von Kunst und farblichen Highlights.
Fotos:
Helga Bosse
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)