Traditionell und Modern
Massivholzhaus ist der Publikumsliebling beim Rosenheimer Holzbaupreis
Im Jahr 2024 wurde zum sechsten Mal der alle vier Jahre verliehene Rosenheimer Holzbaupreis vergeben. In der Kategorie „Wohnen“ erreichte ein Massivholzhaus den zweiten Platz der Publikumspreise. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro dreigegeneinen, mit Standorten in München und Berlin. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn entstand ein Wohnhaus, das sich sensibel in die umgebende Kulturlandschaft aus gewachsenen Strukturen einfügt. Das Gebäude zeigt eine klare Formensprache, setzt auf natürliche Materialien und ist stark im Ort verankert. Die Wahl des Publikums deutet darauf hin, dass die Außenwirkung des Wohnobjekts besonders ansprechend und praxisnah ist. Die Materialität eines Holzhauses vermittelt Vertrauen: Es wirkt solide, ohne prätentiös zu sein.
Das Grundstück befindet sich in ruhiger Randlage in Holzkirchen. Der langgestreckte Baukörper des neuen Einfamilienhauses öffnet sich nach Süden zu einer großzügigen Terrasse. Die Fassade aus unbehandelter heimischer Lärche wird durch eine vertikale Lattenstruktur gegliedert, die sich zum Teil auch über die Fensterflächen erstreckt und an einigen Stellen durch eine virtuos-ornamentale Gestaltung einzelner Fassadenteile unterbrochen wird. Diese durchbrochenen Flächen beleben den Gesamteindruck. Sie dienen nicht nur der optischen Auflockerung, sondern fungieren auch als Sicht- und Sonnenschutz. Kleine Holzbretter – sogenannte Opferbrettchen – verdecken die horizontale Unterkonstruktion und verweisen auf die handwerkliche Tradition der Region. Die Verwendung von leimfreiem Massivholz und die Vorfertigung einzelner Teile trugen dazu bei, die Bauzeit deutlich zu reduzieren, wobei das massive Fichtenholz im fertigen Zustand nicht mehr zu spüren ist – das Haus wirkt leicht und luftig. Das durchdachte Grundrisskonzept schafft großzügige Wohnräume. Der Eingangsbereich und die Nebenräume sind kompakt im Westen angeordnet. Der übrige Bereich des Erdgeschosses besitzt einen offenen Grundriss und lässt viel Raum für den Küchen-, Ess- und Wohnbereich. Die zeitgemäßen anthrazitfarbenen Kücheneinbauten stehen im Kontrast zum äußeren Erscheinungsbild eines traditionellen oberbayerischen Holzhauses. Ein grauer Estrich geht in einen Holzfußboden aus Eiche über. Lehmputz an einigen ausgewählten Wandflächen sorgt für ein gesundes Raumklima und schafft eine warme Atmosphäre. Über dem Ess- und Wohnraum öffnet sich ein Luftraum bis zum First, der Weite schafft und den Raum atmen lässt. Die Treppe zum Obergeschoss führt zu einer Galerie und den Schlafräumen mit angrenzendem Bad. Der Entwurf verbindet regionale Bautradition mit zeitgemäßer Wohnqualität und nachhaltiger Bauweise.
Fotos:
tschinkersten
www.tschinkersten.com
(Erschienen in CUBE München 04|25)







