Gegengewicht

Neuer Museumskomplex begreift sich als Zentrum für jüdische Kultur

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Im Oktober hat das Jüdische Museum Frankfurt nach rund fünf Jahren Bauzeit in doppelter Größe wieder eröffnet. Der neue Museumskomplex besteht nun aus dem sorgfältig sanierten Rothschild-Palais und dem Lichtbau genannten Neubau des Berliner Büros Staab Architekten. Gemeinsam bilden sie ein Gebäudeensemble, das von einem neuen öffentlichen Platz aus erschlossen wird. Dieser Museumsvorplatz bildet zugleich die Adresse des neuen Jüdischen Museums: Bertha-Pappenheim-Platz 1. Der neue Museumskomplex wird dabei als ein Zentrum für jüdische Kultur in Geschichte und Gegenwart begriffen, das sich im besonderen Maße mit der Frage beschäftigt, wie das Zusammenleben in einer diversen Gesellschaft gelingen kann.

Das älteste Jüdische Museum in der Bundesrepublik verfügt nun über 2.000 m² Ausstellungsfläche: Das neoklassizistische Palais beherbergt die neue Dauerausstellung „Wir sind Jetzt: Jüdisches Frankfurt von der Aufklärung bis zur Gegenwart“. Der Neubau bietet Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungen, eine öffentliche Bibliothek, das erste milchig-koschere Café in Frankfurt sowie einen Museumsshop. In den nichtöffentlichen Bereichen befinden sich zudem Depoträume, Werkstätten und Büros.

Der helle Lichtbau bildet ein Gegengewicht zu dem klassizistischen Rothschild-Palais, ohne dass der Neubau das Palais dominieren würde. Der Gegensatz zwischen Sichtbetonoberflächen und warmer, heller Eschenholzvertäfelung prägt die Innenraumgestaltung. Durchbrüche, Lichteinfälle und Splitlevel erzeugen ein besonderes Raumerlebnis.

Da sich das Jüdische Museum als „ein Museum ohne Mauern“ versteht, mussten die Architekten bei der Planung des Neubaus besonders darüber nachdenken, wie der leider notwendige Schutz und die gewünschte Öffnung zur Stadt verbunden werden können. Unter anderem sorgen mehrere große Fenster für diese Öffnung: Der Neubau beherbergt beispielsweise einen lichtdurchfluteten Raum, der sich dem Stadtraum zuwendet und überdies kostenfrei betreten werden kann und mit freiem WLAN in großzügig gestalteten Foyers zum Verweilen einlädt. Auch die öffentliche Bibliothek mit ihrem 130 m² großen Lesesaal, der in Eschenholz verkleidet ist, öffnet sich mit einem großen Fenster zum Stadtraum. Bequeme Sitzmöbel laden hier Junge und Erwachsene ein, Kinder- und Jugendbücher, Graphic Novels, Nichtbuchmedien und Spiele zur jüdischen Geschichte und Kultur kennenzulernen.

www.juedischesmuseum.de
www.staab-architekten.com

Fotos:

Norbert Miguletz/Jüdisches Museum Frankfurt
www.miguletz.de

(Erschienen in CUBE Frankfurt 04|20)

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