Regie führt das Licht

Innovativer Dachaufbau mit einer Reihe aus Betonrippen als Krönung eines alten Industriegebäudes

In Neukölln hat Architekt Sohrab Zafari einen ungewöhnlichen Dachaufbau auf ein ehemaliges Fabrikgebäude mit fünf Geschossen gesetzt. Der Bestand entstand um 1900 in einem Hinterhof in der Mainzer Straße und bildete durch ein T-förmiges konventionelles Gewerbehaus mit Satteldach zwei Höfe. Atelier Zafari erhielt von seinem Bauherrn, der Immobiliengesellschaft Huber im Tal aus München, den Auftrag, ein zeitgemäßes Dach zu bauen, das wie die darunter liegenden fünf Geschosse als Büro genutzt werden sollte.

Das gesamte alte Dach wurde abgetragen und durch einen kompletten Neubau ersetzt. Das innovative Projekt kombiniert die rohe Ästhetik des industriellen Erbes mit zeitgenössischer Eleganz und Präzision. Der Kern des Architektenentwurfs für die Aufstockung basiert auf einer Reihe von 20 Stahlbetonrippen, die das Dach tragen und eine Seitenwand bilden. Eine mit einer Glashaube überdachte riesige Terrasse könnte man zunächst meinen. Es handelt sich jedoch um einen grundrissfreien 120 m² großen Raum, der beliebig nutzbar ist. Die Betonrippen mit der Breite von 30 Zentimetern sind in gleichmäßigen Abständen angeordnet. Sie trotzen der Schwere des Materials und schaffen stattdessen erstaunlicherweise Leichtigkeit. Die Umsetzung dieser Grundidee erforderte eine zusätzliche statische Ertüchtigung der bestehenden Bausubstanz, um die Lasten der neuen Struktur sicher aufzunehmen. Die Stahlbetonrippen wurden vor Ort betoniert, die Schalung jedoch vorgefertigt und auf der Baustelle millimetergenau angepasst. Die Verwendung von Sichtbeton unterstreicht die industrielle Ästhetik. Der neue Dachraum bietet flexible Nutzungsmöglicheiten. Erschlossen wird das neue Geschoss durch zwei Treppenhäuser und barrierefrei durch einen aussenliegenden Aufzug. Ein schmaler, 15 Meter langer außenliegender Korridor, begrenzt durch die Brandwand auf der einen und den Neubau auf der anderen Seite, führt von einer der beiden Treppenhäuser zum eigentlichen mittigen Eingangsbereich und weiter über eine Treppe auf die Dachterasse. Im Eingangsbereich gehen links und rechts zwei Räume mit einem kleinen Bad ab, bevor man den Hauptraum betritt. Die akkurate Anordnung der Rippen mit den ausgesparten Zwischenräumen schafft ein faszinierendes Wechselspiel von Licht und Schattenflächen – je nach Witterung und Lichteinfall unterschiedlich. Die Rippen werfen Schatten auf dem feingeschliffenen Estrich, sodass ein Strahlenmuster am Boden entsteht. Auch von aussen gesehen bietet das „Gebäude“ auf dem Dach einen frappierenden Anblick – es wirkt wie die moderne Interpretation einer Säulenhalle.

www.atelier-zafari.com

 

Fotos:
Werner Huthmacher
www.werner-huthmacher.de
Studio Wesely
www.wesely.org
Atelier Zafari

(Erschienen in CUBE Berlin 04|24)

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