Neuzugang in der Altstadt
Am Oberanger fügt sich ein eleganter Neubau zwischen Nachkriegsbauten ein
Auf dem Grundstück Oberanger 45 in unmittelbarer Nachbarschaft des Sendlinger Tors stand bis zur Neubebauung ein Gebäude aus den 1970er-Jahren, das aufgrund seines baulich schlechten Zustands abgerissen werden musste. Der heutige Neubau – ein sechsgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus – schließt die 12 Meter breite, parallelogrammförmige Baulücke in der Blockrandbebauung am Oberanger. Eine Großzahl der umliegenden Häuser stammt aus dem Wiederaufbau der nach 1945 völlig zerbombten Stadt und ist gekennzeichnet durch eine hohe Inhomogenität. Die Bestandsfassaden unterscheiden sich durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien wie Putz, Klinker, Keramik und Naturstein.
Die Planer des neuen Gebäudes sind Neufeldt.Voigt Architekten aus München, die einen ganzheitlichen Ansatz durch alle Leistungsphasen verfolgen. Konsequent kommen hochwertige, aufeinander abgestimmte Materialien zum Einsatz. Durch einen kreativen Dialog mit der Bauherrschaft werden deren Bedürfnisse und Wünsche so präzise wie möglich berücksichtigt. Bei dem Neubau handelt es sich um ein Mixed-Use-Gebäude mit einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss, vier Büroetagen und einer Maisonettewohnung im 5. und 6. Obergeschoss mit großer Dachterrasse und einem Panoramafenster mit Blick auf die historische Altstadt. Mit seiner zurückhaltenden Architektursprache fügt sich das Haus dezent in seine Nachbarschaft ein. Dennoch fallen die edle Natursteinfassade aus horizontalen und vertikalen, großformatigen, hellen Juraplatten sowie die bronzefarbenen Fensterrahmen mit breiten Laibungen ins Auge, die sich qualitativ von den Nachbarhäusern abheben. Die leichte Schrägstellung der rahmenlosen Fenster in der dreiachsigen Lochfassade richtet sich auf den nahegelegenen Sendlinger-Tor-Platz aus. Auf der rückwärtigen Hofseite verfügen die Etagen über weit auskragende Balkone.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung des Eingangsbereichs gelegt: Eine mit Natursteinlamellen verkleidete, schräg gestellte Wand leitet Besucher:innen zur zurückversetzten Haustür. Die Lamellenstruktur wird im Gebäudeinneren bei der hinterleuchteten Briefkastenwand aus dunklem Holz fortgeführt.
Auch bei der Innenausstattung kamen hochwertige Materialien wie Marmor und andere Natursteine, breite Eichendielen sowie aufwändige Wandspachteltechniken zum Einsatz. Abgerundet wird der Gesamteindruck durch die vom Schreiner maßgenau gefertigten Küchen- und Möbeleinbauten sowie sorgsam aufeinander abgestimmte Möblierungs- und Lichtkonzepte.
Fotos:
Sebastian Kolm
www.sebastiankolm.de
(Erschienen in CUBE München 01|26)


