Bitte an Bord

Ein Atelierhaus orientiert sich an der Schiffs- und Bootshausarchitektur sowie der klassischen Moderne

Die Idee für das von Müllers Büro entworfene Atelierhaus in Königs Wusterhauen erschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Das Oberteil des Gebäudes ist mit seinen Rundungen und den Bullaugenfenstern einem Schiffsdampfer nachempfunden. „Wir haben uns bewusst auf einen knappen Grad begeben“, berichtet Architekt Frank Müller. „Der Schiffsbezug ist deshalb nicht ganz augenscheinlich, sondern man erkennt ihn erst dann, wenn man darauf hingewiesen wird.“

Der Architekt nennt neben der Schiffs- und Bootshausarchitektur als weitere Referenz die Bauten des Bauhauses und der 1930er-Jahre, insbesondere das Haus Schminke in der Oberlausitz. Das von 1932 bis 1933 von Hans Scharoun gebaute Gebäude gehört zu den weltweit bekanntesten privaten Wohnhäusern der Moderne überhaupt. Auch in Scharouns Villa finden sich deutliche Verweise auf die Schifffahrt. Scharouns Arbeit zeigt, dass die Moderne nicht immer nur geradlinig und funktional war, sondern auch verspielt und themenbezogen sein durfte. „Die Moderne war komplexer als vielfach angenommen“, meint Frank Müller. „In den 1930er-Jahren Jahren ging es vor allem um eine Abkehr von Jugendstil. Man wollte das Bauen bezahlbar machen und setzte deshalb auf industrielle Fertigung mit vorgefertigten Elementen.“ Bei dem Atelierhaus in Königs Wusterhausen setzt der Architekt die Moderne deshalb nicht stereotyp als weißen Kubus mit viel Glas in Szene. Inmitten der umgebenden hohen Kiefern mischen sich stattdessen die Formen und Materialien. Im Erdgeschoss ist die Fassade mit Holz verkleidet, das Obergeschoss erhält einen weiß verputzten Vollwärmeschutz. Das Gebäude ist als Holzbau mit Fertigteilen konstruiert. In den Innenräumen ist die Konstruktion der Deckenbalken sichtbar belassen, die Innenwände sind mit ökologischer Lehmfarbe gestrichen. Das Haus bietet nicht nur ein gesundes Raumklima, die Bauweise mit dem nachwachsenden Rohstoff aus der Natur ist ebenso ressourcenschonend und klimafreundlich. In Verbindung mit der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie der Erdwärmepumpe erzielt der Wohndampfer eine sehr gute Energiebilanz. Die Bauherren nutzen das Haus als Atelier für ihre Arbeit als Grafikdesigner und beherbergen dort ihre internationalen Gäste. Bei der Inneneinrichtung haben sie mit viel Liebe Designobjekte der klassischen Moderne zusammengetragen. So konnten sich die Arbeit des Architekten sowie der ebenfalls in kreativen Berufen arbeitenden Bauherren gegenseitig befruchten. Frank Müller zieht deshalb ein zufriedenes Fazit: „Mir gelingt es nur dann, ein schönes Haus zu bauen, wenn die Bauherren das auch zulassen.“

www.muellersbuero.com

(Erschienen in CUBE Berlin 04|19)

Architekten:

Müllers Büro
www.muellersbuero.com

Holzbau:

Kreutner-Schmälzlin Holzbau
www.ks-holzbau.de

Bodenplatte:

Kersten Kellerbau und Massivhaus
www.kersten-kellerbau.de

Fenster:

Erdmann
www.erdmann-der-tischler.de

Fotos:

Christian Muhrbeck
www.muhrbeck.de

782-282_43_700pixel

Aus einem Block

Der Bau im Grunewald wirkt abstrakt, reduziert und bedient sich eines sachlichen Formenvokabulars, was an die russische Architekturavantgarde…

MD_Waldbuehne_001_web_15_700pixel

Hinter der Bühne

Die Waldbühne im Olympiapark hat ein neues, modernes Backstage-Haus erhalten

Lückenschliesser

Genossenschaftliches Wohnen in Adlershof

LXSY_FULL-NODE_12563_15_700pixel

Gemeinsamer Rahmen

Die Gestaltung drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern bleibt sachlich und reduziert.