Lichtdesign für eine Galerie
Zeitgenössische Kunst trifft jahrhundertealte Architektur
Das Bornemannsche Haus in der Harburger Schloßstraße, 1565 errichtet, zählt zu den ältesten Bürgerhäuser Hamburgs. Im 19. Jahrhundert diente das Fachwerkgebäude als Färberei, nach dem Zweiten Weltkrieg folgten mehrere Umbauten. Für die neue Nutzung durch die Galerie 1565 wurde das Gebäude denkmalgerecht und nachhaltig saniert. Der Bauherr Arne Weber von HC Hagemann beauftragte Andres + Partner mit der Lichtplanung. Ziel des Teams unter der Leitung von Jule Leu war es, ein modernes Lichtkonzept zu schaffen, das sich harmonisch in die historische Bausubstanz einfügt und gleichzeitig den Anforderungen eines modernen Galeriebetriebs gerecht wird. In diesen außergewöhnlichen Räumen trifft zeitgenössische Kunst nun auf jahrhundertealte Architektur.
Um eine warme, lebendige Atmosphäre ohne nüchterne Museumsanmutung zu schaffen, entschied man sich bewusst gegen Stromschienen. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss konnten aufgrund der originalen Decken keine standardisierten Beleuchtungssysteme eingesetzt werden. Daher wurden mit dem Hersteller Modular und der Hamburger Lichtmanufaktur miniaturisierte Anbau-Punktauslässe entwickelt. Diese ermöglichen eine extrem präzise und flexible Positionierung des Lichts. Dank individueller Zuleitungen können die besonders klein dimensionierten Strahler variabel platziert werden. Im zweiten Obergeschoss konnte die Verkabelung in den neuen Decken integriert und die Treiber diskret im darüber liegenden Geschoss „versteckt“ werden, wodurch die Auslässe auf minimale, münzgroße Öffnungen reduziert wurden. Für die allgemeine Beleuchtung in den zentralen Bereichen schloss man mehrere Leuchten an einen Treiber an, die Kabel wurden offen geführt und am Rand des Deckenfelds in einem zentralen Anschlusskasten zusammengefasst.
Die ästhetisch ansprechende Aufputzinstallation mit Textilkabeln stellte sowohl eine technische als auch eine gestalterische Herausforderung dar. Die Planung der Verkabelungswege und die Positionierung der Treiber erforderten eine hohe Präzision. Phasenabschnittsdimmer senken die Kosten, die zentrale Steuerung der einzelnen Räume erfolgt über Casambi-Module, wodurch Schalter an den Wänden entfallen konnten. Das Licht ist subtil und unaufdringlich im Raum integriert, es rückt die Architektur und die ausgestellte Kunst in den Vordergrund, ohne selbst zu dominieren.
Fotos:
Andres+Partner
(Erschienen in CUBE Hamburg 04|25)