Expressiv Stützenfrei

Ein Büroneubau in Marsdorf bietet Kita, Cafeteria und kollaboratives Arbeiten

Die Liftstar Holding in Marsdorf vereint mehrere Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und barrierefreies Wohnen unter ihrem Namen – darunter verschiedene Hersteller von Treppen-, Haus- und Hubliften. Das traditionsreiche, familiengeführte Unternehmen strebte eine zentrale Mitte für den bestehenden Firmencampus an. Bruhn Knechtges Müller Architekten haben zusammen mit Klara Architekten einen Neubau geplant, der mit seiner Architektur eine besondere Strahlkraft entwickelt – sowohl für den Standort des Unternehmens als auch für die Mitarbeitenden.

Das Bauprojekt, das über einen langen Zeitraum von zehn Jahren konzipiert, geplant und realisiert wurde, stand vor besonderen Herausforderungen: Zum einen mussten die vielen, im Zuge von Workshops erhobenen Wünsche und Ansprüche der Belegschaft von den Architekten kanalisiert und zur Synthese gebracht werden. Andererseits wurde das Bauprojekt deutlich auf die Probe gestellt: Nachdem die Genehmigungsphase mehr als 18 Monate gedauert hatte, gab es einen fast dreijährigen Planungstopp infolge der Baukostenexplosion nach der Corona-Pandemie. Letztere führte schließlich auch dazu, dass der Entwurf grundlegend gestrafft und überarbeitet werden musste, wobei sich der direkte Kontakt zu den Entscheidungsträgern des Familienunternehmens als vorteilhaft für die Abstimmungsprozesse erwies. Von Anfang an wünschte sich das Unternehmen ein zentrales Bürogebäude mit betriebsinterner Kita und Kantine. Zugleich sollte eine neue Arbeitswelt entstehen, die Raum für kreative Entfaltung und kollaborativen Austausch bietet. Aus drei Lichthöfen, brückenartigen Elementen, Auskragungen und Einschnitten ist eine differenzierte Gebäudekubatur mit geschosshohen Glasfassaden und gestaltgebendem Metallrahmenwerk entstanden. Um maximale Flexibilität und Transparenz im Innenraum zu erzielen, wurde eine Konstruktion aus Flachdecken und Stützen in Stahlbetonbauweise gewählt. Stützenfreiheit in Erdgeschosszonen – etwa in der Cafeteria – sowie bei den verbindenden Brücken war dabei ein zentrales Thema: Die auskragenden Decken wurden daher über ein mehrgeschossiges V-Stützen-Tragwerk abgetragen. An den Innenhöfen sorgen zudem Stahlhänger an den Attikabalken dafür, dass die Fassade stützenfrei bleiben kann. Schon die Eingangssituation des Gebäudes ist unkonventionell: Sie zieht Mitarbeitende und Besucherinnen über die beiden grünen Lichthöfe in das Gebäude hinein. Eine Treppe führt über eine Sichtbetonwand hinauf in die oberen Geschosse. Hier angekommen, dreht sich die Bewegungsrichtung und die neue Bürowelt zeigt sich in maximaler Transparenz: Offene Arbeitslandschaften, die um die Lichthöfe arrangiert sind, ermöglichen weite Blickbeziehungen und prägen den flexiblen innenräumlichen Charakter der neuen Bürowelt. Ein raumhohes Alu-Glas-Trennwandsystem mit Jalousie im Zwischenscheibenraum dient der Abtrennung von Büros und Besprechungsräumen. In die Fassade wurden dunkle transluzente Textilscreens zur Verschattung integriert.

Im Erdgeschoss öffnen sich die betriebsinterne Cafeteria und die Kita zu vorgelagerten Freiflächen aus Platz- und Grünstrukturen – zentrale Orte des Austausches, Verweilens und Erholens für alle Campus-Mitarbeitenden. Energetisch überzeugt der Neubau durch Heiz- und Kühldecken in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Zudem kommt ein nachhaltiges Gründach mit einer großflächigen PV-Anlage zum Einsatz. Die gesamte Haustechnik ist über ein BUS-Steuerungssystem regel- und anpassbar.

www.bkm-architekten.de
www.klara-architekten.de

Fotos:
Philip Kistner
www.philipkistner.com

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 01|26)

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